Air Berlin investiert am Großflughafen

Millionen neue Fluggäste für Berlin

Die Fluggesellschaft Air Berlin will den neuen Hauptstadtflughafen "Berlin-Brandenburg Willy Brandt" zu einem internationalen Drehkreuz ausbauen und von dort aus stark expandieren. "Bis zum Jahr 2020 wollen wir von und nach Berlin jährlich zwölf bis 13 Millionen Passagiere befördern", kündigte Hartmut Mehdorn bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Vorstandschef der Airline an.

In diesem Jahr wird Air Berlin voraussichtlich etwas über acht Millionen Passagiere in die Hauptstadt fliegen bzw. von dort abheben lassen. 25 Millionen Euro will Air Berlin am Großflughafen investieren, 50 bis 100 zusätzliche Arbeitsplätze am Standort Schönefeld schaffen und bereits ab dem Sommerflugplan neue Langstreckenverbindungen anbieten. Mehdorn kündigt allerdings auch an, dass Air Berlin die Ticketpreise anheben werde.

Erstmals nach dem überraschenden Rückzug des Airline-Gründers und langjährigen Chefs Joachim Hunold präsentierte Nachfolger und Ex-Bahnchef Mehdorn sein Sanierungskonzept für die angeschlagene Fluggesellschaft. Air Berlin werde sich auf seine vier Drehkreuze Palma de Mallorca, Düsseldorf, Wien und Berlin konzentrieren und vor allem an den beiden letzteren Airports das Angebot ausweiten. "An Berlins Hauptstadtflughafen sind 123 Starts pro Tag mehr möglich als bislang", sagte Mehdorn. Air Berlin rechnet nach dem Umzug von Tegel an den Airport in Schönefeld mit 1500 Start- und Landungen pro Woche, derzeit sind es 1400. Den Bau einer dritten Landebahn in Schönefeld schloss Berlins Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) jedoch auf längere Sicht aus. "Das ist weit weg und vorerst kein Thema", sagte er. Der Flughafen Berlin Brandenburg nimmt seinen Betrieb am 3. Juni 2012 auf, Air Berlin rechnet aber damit, bereits im nächsten Jahr eine halbe Million Passagiere mehr als 2011 befördert zu haben. Bereits ab Mai fliegt die Airline erstmals nonstop Los Angeles an und bietet mehr Direktflüge nach New York an.

"Mit der neuen Verbindung nach Los Angeles erhalten die Berliner und Brandenburger ihre 14. Langstrecke. Das verstärkte Engagement von Air Berlin ist ein wichtiges Signal für die Region", sagte Flughafenchef Rainer Schwarz. Im kommenden Frühjahr will Air Berlin Mitglied der Luftfahrtallianz Oneworld werden. Mehdorn verspricht sich davon vor allem Wachstum auf den Langstrecken. Bislang bietet Air Berlin sieben Ziele in Übersee an, vier in Amerika (New York, Miami, Punta Cana, Varadero) und drei in Asien (Dubai, Bangkok, Phuket).

Auch die Lufthansa setzt auf den neuen Hauptstadtflughafen, hält sich aber mit Expansionsplänen in Schönefeld zurück. Lufthansa-Konzernchef Christoph Franz hatte in der vergangenen Woche angekündigt, von Berlin aus ab kommenden Sommer 38 Ziele in Deutschland, Europa und Nahost anzufliegen. Derzeit sind es 23. Nicht geplant ist es allerdings, Langstreckenmaschinen in Schönefeld zu stationieren. "Angesichts der Wettbewerbssituation verbietet es sich unvernünftig nach vorne zu marschieren", hatte Christoph Franz gesagt.

Mehdorn kündigte einen Sparplan an, hält sich aber mit Plänen zum Abbau von Stellen zurück: "Air Berlin ist schlank aufgestellt, ich sorge mich sogar, ob nicht zu schlank." Er räumte ein, das Unternehmen habe "wirtschaftliche Probleme und müssen kämpfen". Nächstes Jahr soll Air Berlin wieder Gewinn machen.