Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel

Rücktritt wegen drei Glas Wein

Drei Glas Wein sollen es gewesen sein, die dem Oberbürgermeister aus der Weinstadt Mainz am Montag das Amt gekostet haben: Jens Beutel (SPD) sei im Viersternehotel "Des Milles Collines" im fernen Kigali einfach gegangen, ohne seine Getränke zu zahlen, berichteten Teilnehmer der Ruanda-Reise einer offiziellen Delegation aus Rheinland-Pfalz.

Am Montag musste der 65-Jährige nun die Konsequenzen ziehen und wegen eines drohenden Abwahlverfahrens seinen Rücktritt erklären. Beutel war auch wegen anderer Affären in die Kritik geraten. Als Aufsichtsratsmitglied der Überlandwerke Groß-Gerau GmbH (ÜWG) reiste er 2004 zusammen mit der Firmenspitze für vier Tage auf die italienische Insel Capri. Das Amtsgericht Mainz erließ deshalb vor etwa einem Jahr einen Strafbefehl wegen Untreue über 9600 Euro. Weitere Ermittlungen gegen Beutel als ehemaligen Aufsichtsratschef der in finanzielle Schieflage geratenen Mainzer Wohnbau GmbH wegen Vorteilsannahme und Untreue wurden im vergangenen Jahr eingestellt. Mit der ungewöhnlichen Politposse wird Mainz einmal mehr dem Ruf einer Stadt gerecht, in der es gern mal drunter und drüber geht.

"Das wird Mainz überregional wieder in ein schlechtes Licht rücken, was die Stadt nicht verdient hat", kritisierte der stellvertretende Kreisvorsitzende der Mainzer CDU, Nils-Oliver Freimuth. Unabhängig von der Parteizugehörigkeit sei es ganz wichtig, dass solche Ämter von integeren Persönlichkeiten geführt würden, sagt der 28-Jährige. Dazu gehöre auch, dass der höchste Repräsentant der Stadt bei Veranstaltungen etwa von sozialen Projekten seine Getränke oder seine Bratwurst selbst bezahle.