Umsatzplus

Mitten in der Krise: Berlins Handel wächst

Der Einzelhandel in Berlin und Brandenburg ist mit dem bisherigen Jahr weitgehend zufrieden. Trotz der Euro-Krise haben die Berliner viel und gern eingekauft. Nur zuletzt hat sie die Kunden offenbar etwas verunsichert - die Händler setzen jetzt auf das Weihnachtsgeschäft. Inoffizieller Auftakt dafür ist am Montag, wenn in Brandenburg Feiertag ist, in Berlin aber die Geschäfte geöffnet haben.

In Berlin liege der Umsatz bislang 2,5 Prozent über dem Vorjahreswert, in Brandenburg ein bis 1,5 Prozent, sagte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, am Sonnabend. "Wir haben bislang ein sehr stabiles Jahr mit Umsätzen, die leicht über dem Vorjahr lagen", so Busch-Petersen weiter. Allerdings sei es "in den letzten Wochen ein bisschen abgebröckelt, aber wir hoffen, dass wir mit dem Weihnachtsgeschäft Kurs halten können." Der Handel habe Gründe zur Zuversicht: hohe Beschäftigtenzahlen, gut gebuchte Hotels und eine kaum eingetrübte Konsumbereitschaft. In den letzten beiden Monaten des Jahres erwirtschaften einzelne Branchenzweige laut Busch-Petersen bis zu ein Drittel des Jahresumsatzes - darunter etwa der Schmuck- und Uhrenhandel.

Die Berliner Werte liegen sogar über dem Bundesdurchschnitt. "Im bisherigen Jahresverlauf liegt der deutsche Einzelhandel über unserer Prognose von 1,5 Prozent Umsatzwachstum für 2011", sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Kai Falk, dem "Euro am Sonntag". Auch für die Entwicklung bis zum Jahresende sei man optimistisch. Dennoch wolle der Verband an seiner Prognose eines Umsatzwachstums von 1,5 Prozent vorerst noch festhalten. "Die Rahmenbedingungen für den Konsum sind angesichts der Entwicklung am Arbeitsmarkt und der Einkommen zwar insgesamt gut", sagte der Verbandschef. Aber es gebe auch erhebliche Risiken: "Eine Eskalation der Schuldenkrise könnte zu einer Eintrübung der Verbraucherstimmung führen."

Offiziell beginnt das Weihnachtgeschäft Mitte November, inoffizieller Auftakt ist in Berlin aber schon an diesem Montag: Dann strömen am Reformationstag Tausende Brandenburger in die Berliner Einkaufszentren. "Der Reformationstag ist für die Berliner Kaufleute ein Gottesgeschenk", sagte Busch-Petersen.

Von den Kunden aus dem Umland profitiert vor allem die Schloßstraße in Steglitz. Wie in Mitte und am Potsdamer Platz gibt es auch dort ein Umsatzplus. "Das ist erstaunlich angesichts der derzeitigen Finanzkrise", sagte Volker Pesarese, Geschäftsführer von Karstadt, der Berliner Morgenpost. Aber offenbar werde der Konsum von der Situation beflügelt. Die Leute hätten wohl die Lust am Sparen verloren, vermutet er. Auch im KaDeWe am Tauentzien ist der Umsatz gestiegen. "Wir verzeichnen eine ungebrochene Kauflust", sagte eine Sprecherin am Sonnabend. Grund sei auch der boomende Tourismus. Außerdem hätten Veränderungen im KaDeWe, wie neue Shops und neue Marken, mit Sicherheit für mehr Umsatz gesorgt.