Zeitumstellung

In Russland bleibt es Sommer

In Europa ist es in der Nacht zum Sonntag wieder soweit: Um drei Uhr endet die Sommerzeit, die Uhren werden um eine Stunde zurückgestellt. Die meisten Menschen atmen auf. Denn sie bekommen die Stunde Schlaf zurück, die ihnen im Frühjahr genommen wurde. Schlafforscher rechnen deshalb auch nicht mit gesundheitlichen Problemen.

Dennoch: Russland hat genug von dem ewigen Hin und Her - und schafft die Umstellung einfach ab. Paradoxerweise verzichten die Russen aber nicht auf die Sommerzeit, sondern sie schaffen auf Anordnung von Präsident Dmitri Medwedjew die normale Zeit ab. Dies bedeute weniger Stress für Mensch und Tier, begründete Medwedjew seine bereits im Februar beschlossene Initiative.

Allen deutschen Schlafforschern zum Trotz: Die Wissenschaftler applaudieren. Die Zahl der Tageslichtstunden werde steigen. Ärzte erwarten wegen der längeren Helligkeit eine geringere Selbstmordrate. Nur die Wirtschaft ist nicht glücklich. Weil Moskau jetzt Deutschland drei Stunden statt wie bisher zwei Stunden voraus sein wird, befürchten Firmen Verluste. Reiseunternehmen warnen vor Folgen für den Tourismus. Dabei sind die Gründe für die russische Beharrlichkeit nichts gegen die von Weißrussland. Dort wird die "Winterzeit" ebenfalls abgeschafft. Grund: die Zollunion von Russland, Weißrussland und Kasachstan, so die Regierung.

Aber mit der Zeit wird in Moskau sowieso locker umgegangen. Schon im Vorjahr hatte Russland in die Zeitzonen eingegriffen: Sie wurden schlicht von elf auf neun reduziert, um so die Verwaltung zu vereinfachen. Immer wieder hatte Medwedjew Länder wie die USA oder China gelobt, die mit weniger Zeitzonen auskommen. Ganz so radikal wie China wollte der Präsident trotzdem nicht vorgehen: Im kommunistischen Riesenreich der Mitte gibt es keine Sommerzeit und nur eine einzige Zeitzone - geografisch bedingt müssten es vier sein.