Krisengipfel

Euro-Rettung: Europa bittet China um Hilfe

Nach dem Durchbruch beim Krisengipfel in Brüssel hofft Europa nun, auch China bei der Euro-Rettung mit ins Boot holen zu können. Nur wenige Stunden nach dem Beschluss, Griechenland die Hälfte seiner Schulden zu erlassen, und einen Sonderfonds für den Rettungsschirm EFSF aufzulegen, telefonierte Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy mit seinem chinesischen Amtskollegen Hu Jintao.

EFSF-Chef Klaus Regling reiste nach Peking, um den Plan für die Euro-Rettung zu erläutern. China besitzt gewaltige Devisenreserven.

Die 17 Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hatten sich bei ihrem Krisengipfel in der Nacht zu Donnerstag auf einen 50-prozentigen Schuldenerlass Anfang 2012 für Griechenland geeinigt. Das sind rund 100 Milliarden Euro. Zudem erhält das Land ein Hilfspaket in Höhe von weiteren 100 Milliarden Euro. Damit die Banken den Schuldenschnitt verkraften, müssen sie sich von Sommer 2012 an laut Europäischer Bankenaufsicht (EBA) rekapitalisieren und dafür 106 Milliarden Euro auftreiben. Deutsche Banken brauchen rund 5,2 Milliarden Euro frisches Kapital.

Daneben wird die EFSF über zwei sogenannte Hebel eine Schlagkraft von einer Billion Euro (1000 Milliarden Euro) bekommen. Mit einer solchen Summe könnte die Bundesregierung drei Jahre lang alle ihre Ausgaben bezahlen. Einer der Hebel funktioniert über eine Versicherung, die die EFSF für einen Teil des Risikos übernimmt, falls Schuldtitel gefährdeter Euro-Staaten platzen. Der zweite besteht aus einem Sonderfonds, an dem sich der Internationale Währungsfonds (IWF) beteiligt. Und hier könnten auch Staatsfonds aus China einsteigen. Bis November wollen Vertreter der Euro-Gruppe und des Rettungsschirms mit privaten und öffentlichen Geldgebern weltweit das Interesse an zusätzlichen Staatsanleihen aus Euro-Ländern ausloten.

Ob die ansonsten investitionsfreudigen Chinesen die Gelegenheit wahrnehmen, ist fraglich. Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Jiang Wu, hielt sich bedeckt. Peking begrüße die Verständigung auf eine Stärkung der Banken und einen Schuldenschnitt für Griechenland, antwortete Wu auf die Frage nach einem eventuellen Beitrag zum Sonderfonds. "China ist bereit, mit der Staatengemeinschaft daran zu arbeiten, die Stabilität auf dem internationalen Finanzmarkt sowie weltwirtschaftliche Erholung und Wachstum zu fördern."

Eine direkte Beteiligung wäre für die chinesische Führung mit einem politischen Risiko behaftet: Sie würde öffentliche Gelder zur Rettung europäischer Länder ausgeben, die trotz der Schuldenkrise pro Kopf immer noch reicher sind als China selbst. Bei einem Besuch in Paris hatte ein Regierungsvertreter die Europäer ermahnt, Selbstachtung zu zeigen und nicht länger "Almosen von China zu erwarten".

In Europa herrschte unterdessen erst einmal Erleichterung. "Die Welt hat heute auf uns geschaut, und wir haben gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen haben", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Das ist ein wichtiges Paket auf dem Weg zu mehr Stabilität." Der Gipfel habe "ein umfassendes Programm" im Kampf gegen die Schuldenkrise vorgelegt, sagte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy. Der griechische Premierminister Giorgos Papandreou sieht eine "neue Ära" für sein Land. Und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy nannte die Beschlüsse historisch. Europas Börsen reagierten mit einem Kursfeuerwerk.