Schneebeseitigung

Berlin: Kosten für Winterdienst steigen drastisch

Dieser Winter wird für Hauseigentümer und Mieter kostspieliger. Nachdem der rot-rote Senat die Räumpflichten der Grundeigentümer schon im vergangenen Jahr verschärft hatte, haben nun die Winterdienste ihre Preise drastisch angehoben.

Die Kosten für die Schneebeseitigung werden sich nach Angaben verschiedener Verbände für Berliner im Durchschnitt verdoppeln. In Einzelfällen verlangen die Winterdienste sogar 500 Prozent mehr für ihren Service. Der erhebliche Preisaufschlag belastet nicht nur Hauseigentümer - er wird über die Betriebskosten auch auf die Mieten umgelegt.

Seit November 2010 müssen Grundeigentümer vor ihrer Tür nicht nur Schnee fegen und abstumpfende Mittel streuen, sondern Eis frühzeitig beseitigen. Katja Heers, Vorsitzende des Berliner Verbands Gewerblicher Schneeräumbetriebe (BVS), betrachtet die Preisexplosion in ihrer Branche als direkte Folge des geänderten Berliner Straßenreinigungsgesetzes. Winterbetriebe müssten nun etwa doppelt so oft ausrücken, um die Flächen von Schnee freizuhalten und Eisbildung vorzubeugen. Die höheren Anforderungen hätten zu Preissteigerungen von durchschnittlich 100 Prozent geführt, bestätigt sie. Dass zugleich viele Billiganbieter aufgegeben haben, führe zudem dazu, dass Hausbesitzer zum Beginn der Saison am 1. November nur noch schwer einen preiswerten Räumdienst finden können. "Viele schwarze Schafe haben aufgegeben. Der Markt ist leer gefegt", sagt Katja Heers.

Dieter Blümmel vom Hauseigentümerverband Haus & Grund spricht von Preisforderungen, "die nicht nachvollziehbar sind". Bei seinen Verbandsmitgliedern seien die Kosten für die Schnee- und Eisbeseitigung sogar um 300 Prozent gestiegen, in einem Fall seien die Forderungen sogar fünfmal höher als im Vorjahr. Der Anteil des Winterdienstes an den monatlichen Betriebskosten werde damit von 2,5 auf rund zehn Cent je Quadratmeter Wohnfläche steigen, erwartet der Verbandsvertreter. Auf die Mieter kämen spürbare Mietsteigerungen zu, prognostiziert Blümmel.

Nicht ganz so dramatisch fallen die Preissteigerungen offenbar bei Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften aus, die mit ihren großen Wohnanlagen eine bessere Verhandlungsposition haben. "Im vergangenen Winter haben die Kosten für die Schneebeseitigung um 50 Prozent angezogen. Dieses Jahr kommt eine Preissteigerung von 30 Prozent hinzu", sagt David Eberhart, Sprecher des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU).

Grundeigentümer, Räumbetriebe, aber auch die Opposition aus CDU, FDP und Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus hatten gegen die Neuregelungen zum Winterdienst vehement protestiert und vor unverhältnismäßig hohen Kosten gewarnt. Die CDU will nun in den Koalitionsgesprächen mit der SPD erreichen, dass die Vorschriften zur Schnee- und Eisbeseitigung wieder gelockert werden. Diesen Mittwoch steht das Thema auf der Tagesordnung der Verhandlungs-AG "Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz". Die SPD hat bereits Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Eine erneute Gesetzesänderung könnte Rot-Schwarz aber frühestens 2012 auf den Weg bringen.

"Schwarze Schafe haben aufgegeben. Der Markt ist leer gefegt"

Katja Heers,Verband gewerblicher Schneeräumbetriebe