Arbeitsgruppe

Kampf der Geschlechter in Berlins SPD

Nur Eingeweihte haben wohl bisher von der Arbeitsgruppe "Geschlechtergerechtigkeit" des Berliner SPD-Landesvorstandes gehört. Aber nun werden das Gremium und die Teilnahme daran zum Feld des Geschlechterkampfes in der Sozialdemokratie.

Fünf wichtige Berliner SPD-Frauen haben die Brocken hingeworfen. Aus Ärger darüber, dass die stellvertretende SPD-Landesvorsitzende Iris Spranger in der Fraktionsabstimmung über den Parlamentspräsidenposten Ralf Wieland unterlegen war - dem männlichen Kandidaten. Dieser Vorgang zeige, "dass eine gleichberechtigte Zusammenarbeit von Frauen und Männern in der Berliner SPD nicht möglich ist", erklärten nun neben Spranger vier weitere profilierte Frauen: die Bundestagsabgeordnete und Chefin der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF), Eva Högl, die Vorsitzende der AG Sozialdemokratischer Juristen, Vera Junker, ASF-Landesvize Barbara Scheffler und schließlich Sybille Uken, Mitautorin des Landesgleichstellungsgesetzes und Vize der Arbeitsgemeinschaft Mobilität.

Die nun geplatzte AG Geschlechtergerechtigkeit sollte Vorschläge vorlegen, wie Frauen in den Parteigremien besser repräsentiert werden könnten. Das hat sie auch getan - denn die Berliner SPD ist weit vom selbst gesetzten Ziel entfernt, 40 Prozent der Posten auf allen Ebenen mit Frauen zu besetzen. Der Landesvorstand nahm im September den Vorschlag auf, die SPD-interne Quotenregelung auf 50 Prozent anzuheben. Diesen Antrag für den Bundesparteitag werde sie nun nicht mehr vorstellen, sagte eine verärgerte Iris Spranger. Das müssten die Männer dann eben selber machen.

Die Frauen sind sauer: "Worte und Taten sollten keinen Gegensatz bilden. Da für uns jedoch nicht erkennbar ist, dass die SPD Berlin ihren Worten, mit denen sie bekundet, Geschlechtergerechtigkeit zu wollen, Taten folgen lassen will, stellen wir die Mitarbeit in der AG ein. Für Luftnummern und als Feigenblätter fühlen wir uns nicht ausreichend qualifiziert."

Für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit kann der Frauen-Zorn sehr unangenehme Folgen haben. Denn der Druck auf ihn, andere Spitzenjobs im Senat mit Frauen zu besetzen, wird nun natürlich zunehmen.