SPD und CDU einig

Berlin baut neue Landesbibliothek

Die Berliner bekommen eine neue Zentral- und Landesbibliothek (ZLB). SPD und CDU beschlossen in den Koalitionsgesprächen im Roten Rathaus einen Neubau auf dem Areal des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Die bisher geplanten Kosten von 270 Millionen Euro sollen noch einmal überprüft und gesenkt werden. Auch die Kunsthalle soll verwirklicht werden.

Mit diesem Beschluss setzten sich Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und die SPD gegen die CDU durch, die den Neubau im Wahlkampf als "unsinnig" und zu teuer abgelehnt hatte. Wowereit, der jahrelang für das Vorhaben gekämpft hatte, sagte: "Die Koalition will einen Neubau auf dem Tempelhofer Feld realisieren." Noch in dieser Legislaturperiode soll mit den Arbeiten begonnen werden. Zuvor soll es eine "ernsthafte Prüfung" geben, ob die neue ZLB nicht preiswerter als bisher geplant zu errichten sei, "ohne die Bedarfsprogramme zu kürzen", so Wowereit. Die Union reklamierte die Senkung der Kosten für sich. Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Christdemokraten, Frank Henkel, sagte, dass es kein "Wünsch dir was" geben werde. Die CDU sei aber auch überzeugt worden, dass die "Ertüchtigung" der bisherigen beiden Standorte, der Stadtbibliothek in der Breite Straße und der Amerika-Gedenkbibliothek in Kreuzberg, teurer werden würde als ein Neubau.

Die Generaldirektorin der Zentral- und Landesbibliothek, Claudia Lux, die seit Jahren für einen Neubau wirbt, kommentierte die erste Entscheidung der möglichen neuen Koalition mit den Worten: "Wir freuen uns sehr." Nun werde es mehr Platz für die Kunden der Bibliothek geben. Gleichzeitig wird damit auch das Feuchtigkeitsproblem in der Breite Straße gelöst. Bei der angekündigten Überprüfung der Kosten zeigte sich Lux entgegenkommend. "Wir werden bestimmt noch die eine oder andere Einsparmöglichkeit finden." Es sei legitim, dass CDU und SPD bei ihrem Beschluss diese Anforderungen stellten.

Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin ist die größte öffentliche Bibliothek in Deutschland. In ihren beiden Häusern werden mehr als 3,4 Millionen gedruckte und elektronische Medien zur freien Nutzung angeboten. Täglich wird die ZLB bisher von bis zu 5000 Gästen besucht - sie ist damit eine der meistfrequentierten Kultureinrichtungen Berlins. Die Bibliothek verfügt über einen Belletristik-, Musik- und Filmbestand und über multimedial ausgestattete Bereiche für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie bietet Fachbestände und Datenbanken zu allen geistes- und naturwissenschaftlichen Disziplinen.

Die neue Bibliothek spielt auch in der Entwicklung des ehemaligen Flughafens Tempelhof eine große Rolle. "Das ist eine ganz wichtige Entscheidung. Ein solcher Leuchtturm zieht weitere private Investoren an", sagte Martin Pallgen, Sprecher der Tempelhof Projekt GmbH. Man rechne mit etwa drei Millionen Besuchern der Bibliothek pro Jahr. Die Zahl der Nutzer pro Tag soll auf etwa 10 000 verdoppelt werden. Damit soll die ZLB eine Art Ankerfunktion für weitere Projekte haben. Am Tempelhofer Damm soll nach den Planungen der Tempelhof-Entwickler eine Stadt des Lernens und Wissens entstehen, beispielsweise auch mit Sprachschulen und Weiterbildungsinstituten.

Die große Verhandlungsrunde von SPD und CDU traf am Montag weitere Entscheidungen. So soll auch die Kunsthalle unter Landesbeteiligung gebaut werden, wenn sie durch privates oder bürgerschaftliches Engagement finanziert werden kann. Die Standortfrage blieb offen. Zudem soll der Großflughafen BER weiter ausgebaut werden, wenn die Zunahme der Fluggastzahlen anhält.