Karaseks Woche

Frauen sind auch nur Männer

Als notorischer Frauenversteher zitiere ich gern und immer wieder Nestroys Seufzer, dass es die Frauen gut haben.

Weil sie nicht rauchen und nicht trinken. Und: Weil sie auch noch "selber Frauen" sind. Deshalb wehren sich Vorstände, Aufsichts- und Betriebsräte gegen Frauenquoten. Sie möchten rauchen, trinken, schmutzige Lieder singen und nach Budapest oder Rio zu gemischtem Fremdbaden fahren. Da können Frauen und Quoten nur stören. Männer lieben Hahnenkämpfe, Hirschbrunft, Geweih-Duelle und Testosteron-Spiegelungen. Eben Wein, Weib und Gesang.

Nun aber muss ich mal was Böses über Frauen sagen. Entschuldigung! Ausgerechnet über die Quotenregelung in Vorstandsetagen ist es zu einem ganz schönen Zickenkrieg zwischen Familienministerin Kristina Schröder, Sozialministerin Ursula von der Leyen und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gekommen. Wenn man sich die Fotos ansieht, wie feindselig sich die Streithennen angucken, weiß man, da ging es ganz schön stutenbissig her. Frauen in Machtpositionen sind auch nur Männer.

Die Sache ist nicht neu. Schon die drei höchsten griechischen Göttinnen, Hera, Gattin des Zeus, Pallas Athene, Göttin der Weisheit, und Sex-Göttin Aphrodite wollten vom Hirtenprinzen Paris wissen, wer von ihnen die Schönste sei. Zur Belohnung für sein Votum versprach ihm Hera Macht, Athene Ruhm und Weisheit und Aphrodite das schönste Weib auf Erden. Der triebgesteuerte Trojaner Paris ließ sich von der Liebesgöttin Aphrodite bestechen und kriegte Helena, die leider schon mit Menelaos verheiratet war. So wurde der Griechenkönig gehörnt, und aus dem Zickenkrieg wurde der Trojanische Krieg. Wenn wir übrigens heute von "Trojanern" sprechen, meinen wir natürlich Griechen, die nicht als Computerviren in Geräte, sondern in ein hölzernes Trojanisches Pferd gekrochen waren. Immer diese Griechen!

Auch bei den alten Germanen ging es nicht anders zu. An der Kirchentreppe von Worms stritten sich Kriemhild, Schwester von König Gunter und Frau von Siegfried, und Brunhild, Frau des Königs, um den Vortritt zur Sonntagsmesse. Als Brunhild nicht nachgeben wollte, verriet ihr Kriemhild schnippisch, dass in Wahrheit ihr starker Mann Siegfried sie in der Hochzeitsnacht defloriert habe. Damit hatte der dumme Kerl auch noch zu Hause geprahlt. Folge auch hier ein fürchterliches Gemetzel und ein Krieg um die Frauenquote.

Nun könnte man sich beruhigt zurücklehnen und sagen: Auch Frauen sind nicht besser. Aber es gibt einen Haken bei der Geschichte: Alle diese Mythen und Legenden haben sich höchstwahrscheinlich Männer ausgedacht.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost