Muammar al-Gaddafi

Tod eines Tyrannen

Die mehr als vier Jahrzehnte währende Herrschaft von Libyens Diktator Muammar al-Gaddafi ist endgültig vorbei: Zwei Monate nach seinem Sturz ist der 69-Jährige nach Angaben des Übergangsrates getötet worden. "Wir verkünden der Welt, dass Gaddafi durch die Hände der Revolution getötet wurde", erklärte der Sprecher der neuen libyschen Führung.

Gaddafi sei während der Gefechte in seiner Heimatstadt Sirte von Milizionären erschossen worden. Er wollte vermutlich aus der Stadt fliehen, versteckte sich mit Getreuen in der Kanalisation. Der britische Sender BBC zitierte einen Milizionär, wonach Gaddafi gebettelt haben soll: "Nicht schießen, nicht schießen."

Dem US-Sender Fox News zufolge hatten eine US-Drohne und ein französisches Militärflugzeug kurz vor dem Tod al-Gaddafis einen Konvoi mit etwa 80 Fahrzeugen beschossen, in dem der Ex-Diktator aus Sirte fliehen wollte.

Gaddafi fiel noch lebend in die Hand der Aufständischen. In einem von al-Arabija ausgestrahlten Video ist der verwundete Gaddafi zu sehen. Er wird von der Kühlerhaube eines Fahrzeugs gezogen und von Milizionären umringt, die ihn wegzerren.

Schusswunde im Kopf

Gaddafi scheint dabei noch auf eigenen Beinen zu stehen und zu wanken. Sein Hemd ist blutgetränkt. Er scheint zu sprechen und seine rechte Hand zu bewegen. Auf späteren Bildern ist Gaddafi tot mit einer Schusswunde im Kopf zu sehen.

Der Chef der Übergangsregierung, Mahmud Dschibrilo, widersprach am späten Donnerstagabend, den ersten Berichten. Gaddafi sei erst tödlich verwundet worden, als die Kämpfer, die ihn auf einem Pritschenwagen von Sirte in die Stadt Misrata bringen wollten, auf dem Weg unter Beschuss geraten seien. Gaddafi habe eine Schusswunde am Kopf und eine am Bauch gehabt. Er sei nicht von den Kämpfern zu Tode geprügelt worden, sondern erst nach seiner Ankunft im Krankenhaus von Misrata gestorben, weil er viel Blut verloren habe. Er wurde anschließend in eine Moschee gebracht, was auf eine baldige Beerdigung deutet.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine Untersuchung der Todesumstände.

Am Abend wurde auch der Tod von Gaddafis Söhnen Saif al-Islam und Mutassim bestätigt. Arabischen Medienberichten zufolge wurden deren Leichen aus dem Krankenhaus in Misrata abtransportiert und an einen unbekannten Ort gebracht. Sie sollten dort noch in der Nacht zu Freitag beerdigt werden.

US-Präsident Barack Obama bezeichnete den Tod des Ex-Diktators als "Ende eines langen und schmerzhaften Kapitels". Das libysche Volk habe nun die Chance, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, sagte Obama bei einer kurzen Ansprache im Weißen Haus. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Damit geht ein blutiger Krieg zu Ende, den Gaddafi gegen sein eigenes Volk geführt hat."