Sicherheit

Wenn der Fahrstuhl streikt

Die meisten Menschen kennen dieses mulmige Gefühl, das sich einstellt, wenn der Fahrstuhl plötzlich seltsame Geräusche macht. Mit einem Mal wird man sich der vielen Meter Luft bewusst, die in der 10., 20. oder sogar 50. Etage unter einem liegen und von denen man nur durch eine vergleichsweise dünne Bodenplatte getrennt ist.

Meistens passiert nichts, spektakuläre Unfälle sind selten. Viele Menschen leiden dennoch unter regelrechter Fahrstuhlangst. Diese Menschen dürfte der Prüfbericht des TÜV in Berlin nun sogar noch mehr beunruhigen. Die Ingenieure haben nämlich herausgefunden, dass jeder zweite Aufzug (51,3 Prozent) in Deutschland technische Mängel hat.

Ausgewertet wurden 469 000 Überprüfungen im vergangenen Jahr. Das erschreckende Ergebnis: Elf Prozent der Fahrstühle haben "sicherheitserhebliche Mängel", mehr als 1100 Aufzüge (0,24 Prozent) hatten sogar "gefährliche Mängel". Darunter verstehen die Prüfer defekte Fangvorrichtungen (Bremsen) oder fehlerhafte Notruf-Funktionen. "Ich möchte in so einen Aufzug nicht einsteigen", sagte Johannes Näumann vom TÜV-Verband in Berlin. Der TÜV rechnet zudem mit einer hohen Dunkelziffer, da bis zu 250 000 Aufzüge derzeit nicht von Sachverständigen geprüft würden. "Seit dem Jahr 2008 sind die Betreiber für den Auftrag zur technischen Überprüfung selbst verantwortlich", so Näumann weiter. Aber nicht jeder halte sich daran.

Wer sichergehen will, sollte vor der Fahrt nachsehen, ob der Aufzug ein aktuelles Prüfsiegel trägt. Allerdings ist es dem Betreiber freigestellt, es am Aufzug anzubringen. Ansonsten hilft dann wohl nur noch Gottvertrauen.

( dpa//alu )