Berlin-Trend

Brandanschläge: Jeder vierte Berliner fürchtet um sein Auto

| Lesedauer: 3 Minuten
Christina Brüning

Die Bilder der vielen brennenden Autos in den vergangenen Wochen haben bei den Berlinern mittlerweile die Angst geschürt, dass auch der eigene Wagen des Nachts angezündet werden könnte. Jeder vierte Berliner mit einem Auto im eigenen Haushalt sagt, große oder gar sehr große Angst vor einem Brandanschlag zu haben. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Berlin-Trend von Infratest Dimap im Auftrag der RBB-"Abendschau" und der Morgenpost.

Demnach sagen 20 Prozent der Befragten, große Angst um das eigene Auto zu haben, sieben Prozent sogar sehr große Angst. Noch im Juli lagen die Umfragewerte bei dieser Frage deutlich niedriger (bei 13 respektive drei Prozent). Für den Berlin-Trend wurden zwischen dem 26. und 19. August insgesamt 1000 wahlberechtigte Berliner befragt.

Trotz intensiver Ermittlungen und der Bildung der "BAO Feuerschein" (Besondere Aufbauorganisation) mit zeitweise bis zu 650 Beamten im Dienst sind Autobrandstifter in Berlin noch immer aktiv. Am Donnerstagabend brannte in Dahlem wieder ein Wagen. Die Flammen aus dem Porsche griffen auch auf einen danebenstehenden VW über. Die Polizei vermutet als Motiv jedoch keinen politischen Hintergrund, sondern eine Beziehungstat.

Noch 39 Prozent der Befragten gaben an, gar keine Angst vor einem Brandanschlag zu haben. Anfang des Sommers gab sich noch knapp die Hälfte der Berliner derart unbesorgt. Geringe Angst um ihr Auto haben dem Berlin-Trend zufolge 34 Prozent der Befragten (nach 33 Prozent zuvor). Insgesamt gesehen nimmt die Sorge der Berliner über die Brandstiftungen also zu, der Großteil der befragten Autohalter schätzt die Wahrscheinlichkeit, selbst Opfer zu werden, aber weiterhin gering ein.

Sehr große Angst haben vor allem über 45-Jährige um ihr Auto. 18 Prozent dieser Altersgruppe unter den Befragten gaben diese Antwort. Große Angst dagegen verspürt auch jeder vierte 18- bis 25-Jährige. Am sorglosesten gab sich die mittlere Altersgruppe.

Vor allem die Oppositionsparteien greifen die Autobrände für ihren Wahlkampf derzeit gern auf. Auch in der letzten Sitzung des Abgeordnetenhauses vor der Wahl am Donnerstag spielten die Brandstiftungen in der Stadt eine maßgebliche Rolle. Die Berliner lassen sich vom Wahlkampfthema Autobrände jedoch herzlich wenig beeindrucken. Auf die Frage, welcher Partei sie am ehesten zutrauen, das Problem der brennenden Autos in den Griff zu bekommen, antworteten die Befragten in großer Mehrheit: keiner.

46 Prozent trauen den Parteien keine Lösungskompetenzen zu. 16 Prozent der Befragten gaben an, am ehesten der CDU zuzutrauen, erfolgreich gegen die Brandstiftungen vorzugehen. Ganz dicht auf die CDU folgt schon die SPD. 15 Prozent sprachen die Kompetenz für die richtige Strategie im Umgang mit den Brandstiftern der Regierungspartei zu. Nach den beiden großen Volksparteien folgt dann erst einmal lange nichts. Nur zwei Prozent der Befragten sprechen den Grünen Kompetenz in Sachen Brandstiftungen zu, ein Prozent sieht dieses Thema am besten bei den Linken aufgehoben, keiner der Befragten traut der FDP zu, das Problem lösen zu können.

Die Berliner haben zwar mehr Angst davor, ihr Auto könnte des Nachts angezündet werden, dennoch halten sie die Sicherheitslage in der Stadt nicht für ein ausschlaggebendes Thema bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus. Auf die Frage, welches Thema für die Wahlentscheidung am 18. September wichtig sei, antwortete die Mehrheit der Befragten mit Schule und Bildung (50 Prozent). Für 44 Prozent der Befragten sind dagegen die Themen Wirtschaft und Arbeit maßgeblich für die Entscheidung. Der Komplex Sicherheit/Kriminalität landet mit 28 Prozent auf Platz drei des Themenrankings, bei dem Mehrfachnennungen möglich waren.