Regierungsviertel

Grundwasser gefährdet den Bundesrat

Das historische Bundesratsgebäude an der Leipziger Straße in Mitte ist nur elf Jahre nach seiner feierlichen Eröffnung schon wieder ein Sanierungsfall. Dem einstigen preußischen Herrenhaus wurde ein Phänomen zum Verhängnis, das sich derzeit im gesamten Stadtgebiet beobachten lässt: Weil die Berliner seit Anfang der 1990er-Jahre immer weniger Wasser verbrauchen, steigen die unterirdischen Grundwasserpegel teilweise wieder auf das vorindustrielle Niveau an.

Besonders dramatisch steigt das Grundwasser jedoch ausgerechnet im Regierungsviertel.

"Bei uns ist der Grundwasserspiegel in den vergangenen elf Jahren um 83 Zentimeter gestiegen", sagt Doris Teske, Leiterin der Zentralabteilung Bau beim Bundesrat. Die Folge: Über die aufgeweichten Fundamente ist Feuchtigkeit bereits bis in den ersten Stock gezogen, Schimmel hat sich an den Wänden gebildet. "Damit die Gesundheit der Mitarbeiter nicht gefährdet wird, haben wir bereits eine Schimmelsanierung vornehmen lassen", so Teske weiter. Die Kosten allein für diese Maßnahme beliefen sich auf 260 000 Euro. Doch das Grundproblem war damit nicht behoben: "Der Keller ist ja nach wie vor feucht."

Deshalb wird es für den Steuerzahler jetzt richtig teuer. Damit das Gebäude nicht dauerhaften Schaden nimmt, empfiehlt ein Gutachten, das vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) in Auftrag gegeben wurde, den gesamten Keller mit einem speziellen Betonboden auszustatten und zudem mit 1,30 Meter hohen Edelstahlwänden zu versehen, um das Grundwasser dauerhaft draußen zu halten. Veranschlagte und bereits in den Haushalt eingestellte Kosten: 24,4 Millionen Euro.

Das Bundesratsgebäude ist indes kein Einzelfall im Regierungsviertel. So musste das Dienstgebäude des Bundesbauministeriums an der Krausenstraße 17-20 bereits vor zwei Jahren trockengelegt werden. Und an der Jägerstraße 1-3 registriert der Leiter der Landesvertretung der Hansestadt Hamburg besorgt, wie das Wasser im "Hansakeller", der gediegenen Bierbar im Untergeschoss des Hauses, bereits kurz nach der Renovierung im vergangenen Winter erste Spuren hinterlassen hat: "Die Fußleisten lösen sich ab, und an den Wänden sind erste Wasserflecken zu erkennen", sagt Franz Klein. Derzeit lasse er prüfen, ob der Einbau einer Pumpenanlage das alte Gemäuer - Baujahr 1870 - dauerhaft trockenlegen kann. Hauptursache für die hohen Grundwasserpegel im Regierungsviertel ist - wie überall in Berlin - der immer geringere Wasserverbrauch in der Stadt. Wurden 1989 in Berlin noch 378 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert, waren es 2010 nur noch 207 Millionen Kubikmeter.

Verschärfend kommt im Regierungsviertel und der neuen Stadtmitte jedoch ein besonderer Effekt hinzu: "Weil in den vergangenen Jahren in enormem Umfang Tiefgaragen, Tunnel und unterirdische Bahnhöfe entstanden sind, wird einfach immer mehr Wasser verdrängt", so ein Fachmann aus dem Bundesbauministerium. Es bleibt jedoch offen, wie das Problem behoben werden kann.

"Bei uns ist das Grundwasser um 83 cm gestiegen"

Doris Teske, Leiterin der Bauabteilung im Bundesrat