Beisetzung

Loriot ruht in Charlottenburg

| Lesedauer: 2 Minuten

Über Loriot ist in den letzten Tagen so ziemlich alles gesagt worden, was sich in Respekt und Zuneigung überhaupt sagen lässt. Und so wissen wir auch von einer Angewohnheit der letzten Jahre. Loriot ging über Friedhöfe in Berlin. Das tun viele Spaziergänger, Loriot aber vermaß die Gottesacker mit eindeutiger Absicht. Er suchte sich einen Ort aus, um sich, wie er sagte, "schon mal an das Gefühl zu gewöhnen".

Loriots Wahl fiel auf den Waldfriedhof Heerstraße an der Trakehner Allee in Charlottenburg. Dort ist er in aller Stille beerdigt worden, "im engsten Familienkreis", wie sein Verlag mitteilt. Der vorausgeahnte Trubel und das öffentliche Interesse einer angekündigten Beisetzung hätten zu der Zurückhaltung Vicco von Bülows eher nicht gepasst.

Der schöne Waldfriedhof mit seinen Terrassen und Kiefern ist die Ruhestätte vieler bekannter Berliner. Der komische Dichter Joachim Ringelnatz und der Maler George Grosz liegen hier, die Schauspielerinnen Tilla Durieux und Grethe Weiser, Horst Buchholz und Wolfgang Gruner, Klausjürgen Wussow und "Bubi" Scholz. Auf den fast 150 000 Quadratmetern ist viel Platz.

Loriot hatte einen Zweitwohnsitz in Charlottenburg, gestorben war er im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See. Zwei Trauerfeiern soll es in nächster Zeit für Loriot geben. Seine Geburtsstadt Brandenburg an der Havel plant für den 17. September eine Gedenkfeier in der St. Gotthardtkirche, in der Bülow einst getauft wurde. In Münsing am Starnberger See ist für Ende September ein Abschied geplant. Die Deutsche Oper in Berlin widmet ihrem Ehrenmitglied am 5. November eine Operngala. Derweil erweisen die Deutschen dem Humoristen die Ehre, indem sie - alte Schule! - Buchläden ansteuern. Der Verkauf der Werke Loriots, meldet Media Control, sei nach seinem Tod um 600 Prozent gestiegen. Der Riva-Verlag veröffentlicht am Freitag die erste Loriot-Biografie nach dessen Tod.

Auch über den Grabstein für Bernhard-Victor Christoph Carl von Bülow hat Loriot zu Lebzeiten das Nötige gesagt. Zum 85. Geburtstag war der alte Herr gefragt worden, was darauf stehen solle. Die Antwort, auch oft zitiert: "Zweckmäßig wäre es, wenn der Name darauf stünde." Anzunehmen, dass ihm dieser Wunsch noch erfüllt wird.

( krei )