Prognosen

Berlin-Trend: Die Wahl bleibt offen

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Christina Brüning

Zweieinhalb Wochen vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus bleibt das Rennen der Parteien weiter spannend. Zwar liegt die SPD im Berlin-Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-"Abendschau" weiterhin klar vorn, es sind aber weiter verschiedene Möglichkeiten für eine Regierungskoalition offen.

Grüne und CDU haben es im Vergleich zu Anfang August nicht geschafft, mehr Menschen für sich zu begeistern. Grünen-Kandidatin Renate Künast verliert im Vergleich mit Senatschef Klaus Wowereit (SPD) weiter an Sympathie bei den Wählern.

Die SPD verliert in der Sonntagsfrage leicht, büßt einen Prozentpunkt ein und liegt nun bei 30 Prozent der Stimmen. CDU und Grüne verharren bei jeweils 22 Prozent. Die CDU hält damit das Niveau der vergangenen Monate, die Grünen haben sich von ihrem Allzeithoch von 30 Prozent im vergangenen Herbst weit entfernt. Ein Grund dafür könnte sein, dass Renate Künast es nach wie vor nicht schafft, die Berliner für sich zu begeistern. Lediglich noch 38 Prozent der Befragten sind mit ihrer Arbeit zufrieden (minus vier Prozent).

Die Linke und die FDP müssen Verluste von jeweils einem Punkt hinnehmen. Vor allem in ihren Hochburgen im Ostteil der Stadt verliert die Linke, sie liegt insgesamt damit nun bei elf Prozent. Die FDP würde mit drei Prozent deutlich an der Fünfprozenthürde scheitern und den Wiedereinzug ins Abgeordnetenhaus verpassen, wenn an diesem Sonntag bereits gewählt werden würde.

Während die etablierten Parteien stagnieren oder leicht verlieren, gibt es Zuwächse vor allem bei den Parteien, die bisher nicht im Abgeordnetenhaus vertreten sind. Allen voran die Piratenpartei, sie legt um 1,5 Prozentpunkte in der Sonntagsfrage zu und kommt auf 4,5 Prozent - der Einzug ins Abgeordnetenhaus liegt für die Piraten damit in greifbarer Nähe. Die sonstigen Parteien können zusammen ebenfalls ein Plus von anderthalb Punkten verzeichnen, 7,5 Prozent der Wählerstimmen vereinen sie mittlerweile auf sich. Für den Berlin-Trend befragte Infratest Dimap zwischen dem 26. und 29. August 1000 wahlberechtigte Berliner am Telefon.

So schwach wie sich die Linkspartei im Moment darstellt, wird es für eine Wiederauflage der rot-roten Regierung kaum reichen, im Moment vereinen sie nur 41 Prozent der Stimmen auf sich. Eine satte Mehrheit hätte dagegen eine Koalition aus SPD und Grünen - ein Bündnis, das nicht nur den Berlinern am sympathischsten wäre. Auch die Parteien selbst sprechen immer wieder davon, große Schnittmengen miteinander zu haben. Und 35 Prozent der Befragten im Berlin-Trend sprachen sich für eine eben solche Koalition aus.

Auch eine Neuauflage einer Großen Koalition wäre mit den aktuellen Umfrageergebnissen denkbar. 23 Prozent der Befragten könnten sich diese Konstellation gut für eine Berliner Regierung vorstellen. Eine Fortführung der jetzigen Regierung wünschen sich dagegen nur 16 Prozent. Eine Regierung ganz ohne die Beteiligung der SPD kommt bei den Befragten allerdings noch schlechter an. Eine Koalition zwischen den Grünen und der CDU - rein rechnerisch ebenfalls denkbar - wollen nur zehn Prozent der Berliner gern im Roten Rathaus sehen.

Am Dienstagabend präsentierten sich die Spitzenkandidaten der im Berliner Landesparlament vertretenen Parteien erstmals in einer Fernsehdebatte der Öffentlichkeit. Der RBB stellte in der einstündigen Sendung "Klipp & Klar" die Politiker zunächst in Porträts vor. Jeweils im Anschluss beantworteten Christoph Meyer (FDP), Harald Wolf (Linke), Renate Künast, Frank Henkel und Klaus Wowereit die Fragen zweier Moderatoren und im Studio anwesender Gymnasiasten. Diskussionen der Kandidaten untereinander waren nicht erlaubt.

Am Donnerstag strahlt der Sender eine 90-minütige Diskussionsrunde mit den Spitzenkandidaten der "kleinen" Parteien aus. Am 6. September stellen sich Wowereit und Henkel den Fragen von Moderatoren.