Kriminalität

Anschlagsbilanz: Schon mehr als 500 Auto-Brände

In Berlin haben in diesem Jahr bereits so viele Autos gebrannt wie in keinem Jahr zuvor. Nach den neuerlichen Anschlägen in der Nacht zum Montag zählte die Polizei bislang 530 in Brand gesetzte Autos. Davon wurden 382 direkt angezündet, auf 148 Wagen weitete sich das Feuer aus.

Diese Zwischenbilanz zogen Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und die stellvertretende Polizeipräsidentin, Margarete Koppers, am Montag im parlamentarischen Innenausschuss. In 96 Fällen, bei denen 249 Autos in Brand gerieten, geht die Polizei von politisch motivierten Anschlägen aus. Dabei erhielten sie in diesem Jahr bislang acht Bekennerschreiben. In 176 Fällen (281 Autos) geht die Polizei nicht von einem politischen Hintergrund aus.

Im bisherigen Rekordjahr 2009 brannten insgesamt 476 Autos, im vergangenen Jahr waren es 300.

Nach Ansicht der Ermittler gibt es drei Tätergruppen. Ein Teil stamme aus dem linksextremistischen Lager, bei einem anderen Teil handele es sich um Trittbrettfahrer und Pyromanen, eine dritte Tätergruppe handele aus persönlichen Motiven, etwa um Versicherungsbetrug zu begehen oder sich zu rächen, sagte Körting.

Obwohl bislang erst ein Täter verurteilt wurde, sieht Körting bei der Polizei keine Versäumnisse. "Die Polizei macht Nacht für Nacht mithilfe der Bundespolizisten einen guten, anstrengenden Job", sagte der Innensenator. Seit einer Woche werden die Berliner Ermittler von der Bundespolizei im Kampf gegen die Anschläge unterstützt. Die Zahl der Bundespolizisten, die nachts in Zivil auf Berlins Straßen Streife fahren, variierte zwischen 91 und 496. Insgesamt waren in den vergangenen Nächten 2554 Bundesbeamte im Einsatz.

Die meisten Brandanschläge gab es in den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und besonders Charlottenburg-Wilmersdorf. Zuletzt konzentrierten sich die Anschläge auf den Berliner Südwesten. Am häufigsten traf es Wagen von BMW, Audi und Mercedes.

Körting wies den Vorwurf, der Senat versage bei der Verfolgung der Taten, zurück. Eine vollkommene Kontrolle sei angesichts von einer Million Autos und mehr als 10 000 Straßen nicht möglich. "Die Taten geschehen schnell, feige und heimtückisch", sagte der Innensenator. Dabei werde das am wenigsten geschützte Eigentum von Dritten, die auf öffentlichen Straßen abgestellten Autos, zerstört.

In der Nacht zu Montag schlugen die Autobrandstifter nach einer Nacht der Ruhe erneut zu und beschädigten insgesamt drei Autos und einen Motorroller in Prenzlauer Berg und Charlottenburg. Ob politische Motive dahintersteckten, ist noch unklar.

Die Opposition warf dem Senat vor, die Taten nur zögerlich zu verfolgen. "Mir fehlt der Wille der Regierung", sagte der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux. Obwohl es jeden treffen könne, handele der Senat nicht entschlossen, warf CDU-Innenexperte Robbin Juhnke der Regierung vor. FDP-Innenpolitiker Björn Jotzo forderte das Land auf, endlich alle Planstellen bei der Polizei zu besetzen.

Die Taten geschehen schnell, feige und heimtückisch"

Ehrhart Körting, Innensenator