Kriminalität

Berlin: Zahl der Einbrüche steigt dramatisch

Mehr Tötungsverbrechen, mehr Diebstähle, mehr Brandstiftungen: Die Kriminalität in Berlin erlebt zurzeit einen wahren Boom. Etliche Verbrechensarten wiesen in den ersten sieben Monaten 2011 Steigerungsraten zwischen zehn und 25 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres auf.

Nirgendwo aber zeigt die Kurve in der Hauptstadt so steil nach oben wie bei Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäuser. Die Zahl der erfassten Verbrechen erhöhte sich um 1413 auf 5204 Fälle. Das ist gegenüber den ersten sieben Monaten des Vorjahres ein Anstieg von 37,3 Prozent. Diese Zahlen gab die Polizei am Sonnabend bekannt.

Vor allem der dramatische Anstieg bei den Einbrüchen setzt einen langfristigen Trend fort. Abgesehen von einem leichten Rückgang im Jahre 2010 steigt die Zahl der Brüche seit Anfang dieses Jahrtausends kontinuierlich an. Die Gesamtzahl aller in Berlin gemeldeten Straftaten hat sich in den ersten sieben Monaten dieses Jahres ebenfalls weiter erhöht. Insgesamt verzeichnete die Behörde nach Angaben eines Sprechers in dem Zeitraum zwischen Januar und Juli 292 706 Fälle. Das sind 22 568 oder 8,4 Prozent mehr als 2010.

Die Hochburgen der Einbruchskriminalität sind die gleichen wie in den Jahren zuvor. Kreuzberg, Charlottenburg und der Norden Neuköllns werden besonders häufig heimgesucht, aber auch in Prenzlauer Berg, Wilmersdorf, Schöneberg und Gesundbrunnen schlagen die Täter überdurchschnittlich häufig zu. Konkrete Zahlen dazu gibt es aktuell nicht. Die letzten Statistiken, wie sich die Taten auf Berliner Bezirke verteilen, stammen aus dem Jahr 2009. Damals führte Kreuzberg die Rangliste der Stadtteile mit den meisten Einbrüchen (719) an, gefolgt von Charlottenburg (665).

Bei der Einzelauswertung unterscheidet die Polizei zwischen heimgesuchten Wohnungen und Einfamilienhäusern. "In Häuser steigen die Profis ein, in Wohnungen die Kleinkriminellen", fasste ein mit diesem Milieu vertrauter Ermittler am Sonnabend die Erkenntnisse der Polizei zusammen. Schon seit Jahren registriert die Behörde, dass Einbrüche in Einfamilienhäuser vornehmlich von straff organisierten und hoch spezialisierten Banden verübt werden, für die auch aufwendige Sicherheitsvorkehrungen kein wirkliches Hindernis sind. Wohnungseinbrüche, insbesondere in Innenstadtnähe, werden überwiegend von Einzeltätern begangen, häufig sind es Gelegenheitskriminelle oder Drogenabhängige, die Geld für die Finanzierung ihrer Sucht brauchen. Ihnen kommen die oft mangelhaften Sicherungen in vielen Wohnungen entgegen.

Bei den Wohnungseinbrüchen sind die Brennpunkte schon seit Jahren fast immer die gleichen, bei Einbrüchen in Einfamilienhäuser dagegen schwanken die Zahlen in einzelnen Bezirken und Stadtteilen von Jahr zu Jahr, mitunter auch von Monat zu Monat deutlich. Werden die Diebesbanden in einer gutbürgerlichen Wohngegend in Stadtrandnähe gleich mehrfach aktiv, geschieht das oft innerhalb weniger Tage oder gar Stunden.

Schnell zuschlagen und verschwunden sein, bevor die Polizei eine auffällige Häufung von Taten erkennt und entsprechend reagiert, so lautet die Strategie der Banden, deren Mitglieder überwiegend aus Ost- und Südosteuropa kommen. "Wenn die jetzt durch ein Wohngebiet in Lichterfelde ziehen, ist der Bezirk Steglitz-Zehlendorf in der Statistik ganz weit vorn. Einen Monat später schlagen die Banden vielleicht in Westend oder Frohnau zu, und schon steigen dort die Zahlen rasant, in Lichterfelde hingegen herrscht plötzlich Ruhe", beschreibt der szenekundige Beamte das häufige Auf und Ab in der Statistik.

Immer öfter kennen die Einbrecher zudem keine Skrupel, in Wohnungen oder Häuser einzusteigen, während die Bewohner anwesend sind. Profi-Banden setzten nach Einschätzungen der Polizei darauf, dass die Bewohner die zumeist schnell ausgeführte Tat gar nicht mitbekommen. Häufig gibt ihnen der Erfolg dabei recht.

"In Häuser steigen die Profis ein, in Wohnungen zumeist die Kleinkriminellen"

Ein szenekundiger Ermittler