Kriminalität

650 Polizisten jagen Berliner Autobrandstifter

Als Reaktion auf die nicht abreißende Serie von Brandstiftungen in Berlin hat die Polizei nun die BAO "Feuerschein" gegründet. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Polizeikreisen. Die Abkürzung steht für "Besondere Aufbauorganisation" - gleichzusetzen mit einer Sonderkommission. Insgesamt sind zur Nachtzeit nun teilweise mehr als 650 Beamte im Einsatz, um die Täter zu stellen.

Einem Staatsschutzbeamten des höheren Dienstes unterstehen zahlreiche Ermittler sowie Einheiten der Berliner und der Bundespolizei. Bislang waren die Bemühungen der Sicherheitsbehörden erfolglos geblieben. Ein neues taktisches Konzept soll dies nun ändern, Einzelheiten wurden im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen nicht gemacht.

Nach Aussage eines ranghohen Ermittlers seien Polizeiführung und Senat unter erheblichem Druck. "In der Vergangenheit wurde von mehreren Seiten immer wieder die Bildung einer Sonderkommission oder einer vergleichbaren Truppe gefordert. Nun hat man sich eben diesem Druck gebeugt. Aber der Stadt läuft die Zeit davon, weil die Unterstützungseinheiten der Bundespolizei nicht endlos lange finanziert werden können. Der fast ausgeschöpfte Polizeihaushalt gibt den Spielraum für einen lang anhaltenden Aufwand nicht her, und das weiß man in den Amtsstuben."

Es gebe bereits jetzt Dienststellen, deren Beamte beispielsweise angewiesen wurden, Papier von beiden Seiten zu bedrucken, um Geld zu sparen. "Die Kosten für die Fremdkräfte sind sehr hoch. Die Bundespolizisten aus dem brandenburgischen Blumberg können zu Hause schlafen, ihre Kollegen aus Hannover aber werden in Hotels untergebracht, weil in den Berliner Unterkünften kein Platz vorhanden ist. Zudem müssen die Zuschläge für den DuZ, also den Dienst zu ungünstigen Zeiten, ebenfalls vom Land Berlin getragen werden. Dieser große Kräfteeinsatz kann nicht über Wochen hinweg bezahlt werden." Bei Polizei und Senat hoffe man nun, innerhalb der nächsten Wochen einen Fahndungserfolg vorweisen zu können.

Logistisch, so ein Insider, bekommen die Angehörigen der BAO derzeit alles, was verlangt und gebraucht wird. "Im Senat wird registriert, dass die Menschen derzeit in keiner Weise mehr über das soziale Engagement der Landespolitik sprechen, sondern dass sich die Menschen um die innere Sicherheit sorgen. Dieses Thema wird von der CDU besetzt, man fürchtet Stimmenverlust im rot-roten Senat." So stehen jetzt bereits zwei Hubschrauber mit Wärmebildkameras zur Verfügung, um die Polizeieinheiten am Boden zu unterstützen. In Anbetracht der angespannten Lage könnte auch dort noch aufgestockt werden - "wir brauchen Festnahmen, um jeden Preis", sagt ein ranghoher Polizeiführer. Denn es gelte auch, die Motivation der Kollegen aufrechtzuerhalten.

Allerdings mussten die Polizeibeamten in der Nacht zu Freitag einen neuerlichen Rückschlag hinnehmen. Trotz des Großeinsatzes zur Nachtzeit gingen wieder drei Fahrzeuge im Stadtgebiet in Flammen auf. Diesmal hatten die Täter in Hakenfelde und Schöneberg zugeschlagen. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden, auch wurden keine weiteren Fahrzeuge in Mitleidenschaft gezogen. Es war die elfte Berliner Brandnacht in Folge. Dass es sich bei den Tätern tatsächlich um politisch motivierte Personen handelt, daran glaubt bei der Polizei längst niemand mehr richtig. "Linke Gruppen hätten niemals Familienautos mit Kindersitzen angesteckt. Das war in letzter Zeit öfter passiert", sagte ein Ermittler.

Bei der Jagd nach den Unbekannten waren Bundespolizisten in den frühen Morgenstunden des Freitags zwei Jugendliche ins Netz geraten, die in Kreuzberg einen Kleidersammelcontainer angezündet hatten. Sie wurden vorübergehend festgenommen und legten bei der Polizei ein Geständnis ab. Einen Zusammenhang zu den Brandstiftungen an Kraftfahrzeugen schließen die Ermittler zum jetzigen Zeitpunkt jedoch aus.

Dieser große Kräfteeinsatz kann nicht über Wochen hinweg bezahlt werden

Ein ranghoher Ermittlerzu den Kosten für die Sonderkommission