Immobilien

Potsdamer Platz wird verkauft

Die schwedische SEB-Bank hat den Verkauf ihrer Immobilien am Potsdamer Platz gestartet. Ihre Fondsgesellschaft könnte nach Informationen der Berliner Morgenpost bis zu 90 Prozent der Anteile am ehemaligen Daimler-Quartier veräußern. Bislang hatte sie nur einen Partner für ein Joint Venture gesucht, der etwa die Hälfte der Anteile übernehmen sollte.

Als Interessenten gelten, wie Insider berichten, der norwegische Staten Pensjonsfonds sowie Staats- und Pensionsfonds aus Asien und dem Nahen Osten, die gegenwärtig einen Einstieg in Berlin prüfen.

Die Vermögensverwaltung des schwedischen Bankkonzerns benötigt dringend frisches Kapital, um ihren eingefrorenen Immobilienfonds SEB Immoinvest wieder flottzubekommen und damit die Anleger wieder an ihr Geld kommen.

Der Fonds, der insgesamt 6,3 Milliarden Euro Anlegergelder verwaltet, hatte das Ensemble aus 19 Büro-, Einzelhandels- und Wohnimmobilien erst vor dreieinhalb Jahren erworben. Für den Verkauf des Quartiers, zu dem auch das Hotel "Grand Hyatt", das Musicaltheater und das Cinemaxx-Kino zählen, haben die Schweden jetzt die US-Investmentbank Merrill Lynch engagiert. Bislang sind unter den Interessenten ausschließlich finanzstarke Staatsfonds aus Asien und Altersvorsorgeeinrichtungen aus Europa und Nordamerika. Zu den potenziellen Käufern gehört der mehr als 440 Milliarden Euro schwere norwegische Statens Pensjonsfonds, der die Einnahmen aus der Ölförderung des skandinavischen Landes für die Altersvorsorge der 4,9 Millionen Einwohner verwaltet.

Um bei der geplanten Wiedereröffnung des eingefrorenen Immoinvest eine Flucht der Anleger zu verhindern, will die SEB die Immobilien aber mindestens zum Buchwert veräußern, heißt es in Verhandlungskreisen. In dem Fonds ist das Daimler-Areal mit knapp 1,5 Milliarden Euro bewertet. Vor dreieinhalb Jahren hatte die SEB für das Quartier noch rund 1,4 Milliarden Euro gezahlt. Kaufinteressenten würden das Quartier jedoch mit allenfalls 1,3 Milliarden Euro bewerten, berichteten Insider der Morgenpost. Das sei jenseits jeglicher Vorstellungen, ist im Umfeld der SEB zu hören. Als wertmindernd sehen die Kaufinteressenten gleich mehrere Aspekte an. Zum einen droht durch ein neues Shoppingcenter auf dem Wertheim-Areal am Leipziger Platz starke Konkurrenz für die Einzelhandelsflächen im Daimler-Quartier mit den beliebten Potsdamer Platz Arcaden. Zum anderen werten Interessenten als besonders riskant, dass einer der Hauptmieter, Daimler Financial Services, Ende nächsten Jahres und der Daimler-Vertrieb im September 2013 aus den Immobilien ausziehen. Der Vertrieb zieht in ein neues Gebäude an der Spree in Friedrichshain.

Für 25 000 der insgesamt 130 000 Quadratmeter Bürofläche in den Fondsimmobilien der SEB-Bank müssten Nachmieter gefunden werden. Gelingt dies nicht, würden aber 19 Prozent der Büroflächen und acht Prozent der Gesamtfläche von 300 000 Quadratmetern leer stehen. Mit 17,50 Euro je Quadratmeter im Monat zahlt Daimler noch eine moderate Miete. Die Spitzenmieten am Potsdamer Platz, wo es kaum einen nennenswerten Leerstand von Gewerbeflächen gibt, gehen immerhin schon bis 22 Euro, sodass bei Neuvermietungen in dieser Eins-a-Lage noch ein erheblicher Spielraum nach oben besteht.