Ägypten

Die Pharaonin und die Todescreme

Ein krebserregendes Medikament war offenbar der Inhalt eines rätselhaften antiken Flakons der Königin Hatschepsut. Der Ägyptologe Michael Höveler-Müller und Helmut Wiedenfeld vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn fanden heraus, dass das steinerne Fläschchen eine krebserregende Lotion enthielt, welche die ägyptische Herrscherin offenbar gegen eine chronische Hauterkrankung auftrug.

Das teilten sie am Freitag im Ägyptischen Museum mit.

Im Jahr 2009 regte Höveler-Müller als neuer Kustos des Ägyptischen Museums an, den Inhalt des antiken Fläschchens zu untersuchen. Die Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass das Fläschchen eine fettige Lotion aus Muskat- und Palmöl enthielt. Bei den weiteren Inhalten handelte es sich um ungesättigte Fettsäuren, Teer und Bitumen.

"Tatsächlich ist bekannt, dass es in der Familie von Hatschepsut Fälle von Hauterkrankungen gab", erklärte der Ägyptologe. Diese Krankheiten sind oft erblich. Offenbar versuchte sie, mit dem Inhalt des Flakons ihr Leiden zu lindern. "Es handelte sich wahrscheinlich um ein Medikament", bekräftigte der Pharmakologe Wiedenfeld.

Allerdings hatte die Tinktur fatale Nebenwirkungen. Die Forscher fanden Spuren des stark krebserregenden Stoffs Benzopyren. "Wir wissen schon lange, dass Hatschepsut Krebs hatte", stellt Höveler-Müller fest. Womöglich ist sie auch daran gestorben. "Offenbar hat sich Hatschepsut zu Tode gecremt", sagte am Freitag Andreas Archut, Pressesprecher der Universität Bonn. Die Pharaonin Hatschepsut regierte vor etwa 3500 Jahren in Ägypten als vermutlich erste Frau.