Bildung

Elternprotest zum Schulstart

Am heutigen Montag beginnt das neue Schuljahr - ein aufregender Tag für Schüler, Eltern und Lehrer. Für einen Teil der insgesamt 321 740 Berliner Schüler bedeutet der Schulanfang allerdings auch, dass sie in ihre völlig heruntergekommenen Schulgebäude zurückkehren müssen.

Auf den Mängellisten stehen kaputte Fenster, undichte Dächer, bröckelnde Fassaden und völlig unzureichend ausgestattete Fachräume. Außerdem sind viele Turnhallen sanierungsbedürftig.

Eine Umfrage der Berliner Morgenpost in den zwölf Bezirken ergab, dass der Sanierungsstau im Schulbereich insgesamt rund 880 Millionen Euro beträgt. Die Eltern wollen das nicht länger hinnehmen. Günter Peiritsch, Vorsitzender des Landeselternausschusses, kündigt Protest-Aktionen an. Das Motto der Eltern: "Mehr Geld für bessere Schulen". Eine erste Demonstration soll am 10. September stattfinden. "Vor der Wahl wollen wir richtig Druck machen und uns nicht mehr vertrösten lassen", sagt Peiritsch.

Besonders groß ist der Modernisierungsbedarf in den Bezirken Pankow, Lichtenberg, Tempelhof-Schöneberg und Mitte. Dort müssten nach Aussage der Bildungsstadträte jeweils 100 Millionen Euro investiert werden, um die Schulen herzurichten. Aber auch alle anderen Bezirke schieben einen Sanierungsstau von mindestens 50 Millionen Euro vor sich her.

Dieter Hapel (CDU), Schulstadtrat in Tempelhof-Schöneberg, macht immer neue Schulreformen für die Misere verantwortlich. "Keine dieser Reformen ist ausfinanziert", sagt er. Ein Beispiel sei die Verlagerung der Horte an die Schulen. Sieben Jahre habe es gedauert, bis alle Grundschulen in seinem Bezirk dafür hergerichtet werden konnten. Ähnlich werde es bei der Einrichtung der integrierten Sekundarschulen ablaufen, warnt Hapel. Auch diese Reform sei auf den Weg gebracht worden, ohne die dazu nötigen baulichen Mittel bereitzustellen. "Wir haben zwar im vergangenen Jahr rund 13 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm des Bundes bekommen", sagt Hapel. Das Geld habe jedoch bei weitem nicht ausgereicht, um die Schulen entsprechend umzubauen.

Ähnlich äußert sich auch der Spandauer Schulstadtrat Gerhard Hanke. Der Senat habe die Einrichtung der Integrierten Sekundarschulen zwar beschlossen, aber nicht bezahlt, kritisiert der CDU-Politiker. "Schon die Modernisierung eines Fachraumes kostet zwischen 300 000 und 400 000 Euro", rechnet Hanke. Da die meisten Fachräume dringend überholt werden müssten, käme allein in diesem Bereich eine gewaltige Summe zustande.

Neben den maroden Schulgebäuden wird die zugewiesene Oberschule für etliche Familien zum Härtetest werden. Aufgrund des neuen Auswahlverfahrens beim Übergang von der Grund- auf die Oberschule, dem knallharte Leistungskriterien zugrunde lagen, haben zahlreiche Kinder keinen Platz an ihrer Wunschschule bekommen. Ihnen wurden stattdessen weit wenig beliebte und nicht selten weiter entfernte Sekundarschulen zugewiesen.

Ein weiteres Problem ist der Fachlehrermangel. Wie bereits im vergangenen Schuljahr werden auch in diesem vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich Lehrer fehlen. Zwar sind an den Berliner Universitäten viele Pädagogen ausgebildet worden, ein großer Teil von ihnen ist aber in andere Bundesländer abgewandert. Dort werden die Lehrer sofort verbeamtet und besser bezahlt.

"Der Senat setzt immer neue Schulreformen durch, hat aber kein Geld dafür."

Gerhard Hanke, Schulstadtrat in Spandau