Affäre

CDU-Landeschef Boetticher tritt zurück

Neun Monate vor der Landtagswahl am 6. Mai 2012 hat Schleswig-Holsteins CDU keinen Spitzenkandidaten mehr. Partei- und Fraktionschef Christian von Boetticher verzichtet wegen einer früheren Beziehung zu einer Minderjährigen auf Parteivorsitz und Spitzenkandidatur.

Fraktionschef will der 40-Jährige bleiben. Dies ist das Ergebnis einer mehr als zweieinhalbstündigen Sondersitzung des geschäftsführenden Landesvorstands am Sonntag in Kiel.

"Ja, es ist wahr, ich hatte mich im Frühjahr 2010 in eine junge Frau verliebt und bin mit ihr mehrere Monate zusammen gewesen", sagte der CDU-Politiker. Das Mädchen sei zu dem Zeitpunkt 16 Jahre alt gewesen. Er sprach von einer "ungewöhnlichen Liebe", die auch vom Umfeld akzeptiert worden sei. Boetticher räumte ein, dass eine solche Beziehung, obwohl sie rechtlich legal sei, bei vielen Menschen auf moralische Vorbehalte stoße. "Es war schlichtweg Liebe", sagte der 40-Jährige. Er habe keinen privaten, wohl aber den politischen Fehler gemacht, die Bedeutung einer solchen Beziehung für eine etwaige Spitzenkandidatur nicht bedacht zu haben, sagte er unter Tränen.

"Bei all den Menschen, die ich damit enttäuscht habe und die große Hoffnungen auf mich gesetzt haben, möchte ich mich von ganzem Herzen entschuldigen", sagte Boetticher mit stockender Stimme. Er betonte, seinerzeit keinerlei Beziehung zu einer anderen Frau gepflegt zu haben. Ihm sei es darum gegangen, entstehende Belastungen für seine Partei abzuwenden, "aber insbesondere mir geliebte Personen und meine Privat- und Intimsphäre zu schützen".

Seit Übernahme des Landesvorsitzes im September 2010 sei er immer wieder mit Spekulationen über sein Privatleben konfrontiert worden. "Da gab es mehrere Journalisten, die sicher zu wissen glaubten, dass ich schwul sei", sagte Boetticher. Die Nord-CDU will auf einer Sitzung des erweiterten Landesvorstands am Dienstag das weitere Vorgehen beraten. CDU-Landesvize Angelika Volquartz sagte, die Beziehung zu einer 16-Jährigen sei unstrittig rechtlich zulässig.