Wahlen

Künast fällt in neues Umfragetief

Im Rennen ums Rote Rathaus baut Klaus Wowereit fünf Wochen vor den Wahlen seinen Vorsprung aus. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit liegt mit seiner SPD im Berlin-Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-"Abendschau" inzwischen neun Prozentpunkte vor der Konkurrenz.

Die Grünen haben mit ihrer Spitzenkandidatin Renate Künast wie schon in den vergangenen Monaten verloren und liegen nun gleichauf mit der CDU. Im Vergleich mit Wowereit ist Künast im Ansehen der Bürger gesunken.

Die SPD konnte im August in der Sonntagsfrage noch einmal um zwei Punkte zulegen und erreicht jetzt 31 Prozent. Die Grünen, die lange vor der SPD lagen, büßten zwei Punkte ein und kommen noch auf 22 Prozent. Dort teilen sie sich den zweiten Platz mit der CDU (minus 1).

Die Linke hat nach ihrer leichten Erholung des vergangenen Monats wieder an Boden verloren und kommt nach dem Verlust von zwei Punkten noch auf zwölf Prozent. Die FDP legt einen Punkt zu, bleibt aber mit vier Prozent unterhalb der Fünfprozenthürde. Erstmals springt in diesem Monat eine der stets als "Sonstige" zusammengefassten Parteien über die Marke, ab der sie gesondert ausgewiesen wird. Die Internet-Partei Piraten darf auf drei Prozent der Stimmen hoffen. Die übrigen Parteien vereinen sechs Prozent der Befragten auf sich. Für den Berlin-Trend befragte Infratest Dimap zwischen dem 5. und 8. August 1000 wahlberechtigte Berliner am Telefon.

Die SPD ist mit ihren 31 Prozent auf den höchsten Stand seit vier Jahren geklettert und liegt damit über ihrem Wahlergebnis von 2006. Die Grünen haben seit ihrem Höhepunkt im Oktober 2010, als sie bei 30 Prozent und deutlich vor der SPD rangierten, acht Punkte eingebüßt, liegen aber deutlich über ihren 13,1 Prozent der letzten Wahl. Die CDU erreicht mit ihren 22 Prozent ein Resultat, das ihrem Niveau über die vergangenen Monate entspricht.

Je schwächer die Grünen werden, desto wahrscheinlicher wird eine rot-grüne Koalition unter Wowereit. Führende Sozialdemokraten haben mehrfach betont, mit den Grünen größere Schnittmengen zu besitzen als mit der CDU, mit der rechnerisch ein rot-schwarzes Bündnis ebenfalls möglich wäre. Keine Mehrheit hat im Moment die seit 2002 regierende Koalition der SPD mit der Linken. Rot-Rot erreicht zusammen 43 Prozent.

Für eine Mehrheit der Sitze im Berliner Abgeordnetenhaus reichen 44 Prozent, weil FDP, Piraten und Sonstige an der Fünfprozenthürde scheitern und sich daher viele Wählerstimmen nicht im Parlament abbilden. Auf 44 Prozent kommen zusammen auch Grüne und CDU. Theoretisch könnten die beiden gleich starken Parteien ein Bündnis schmieden und die SPD mit Klaus Wowereit ablösen. Die Mehrheit wäre jedoch hauchdünn.

In der Stadt wäre ein solcher Coup politisch schwer zu rechtfertigen, denn der Berlin-Trend zeigt auch im August, dass Wowereit deutlich höher angesehen und beliebter ist als seine beiden Herausforderer Renate Künast von den Grünen und Frank Henkel von der CDU. 57 Prozent sind mit Wowereits Arbeit sehr zufrieden, deutlich mehr als im Falle von Künast oder Henkel. Könnten die Berliner ihren Regierenden direkt wählen, siegte Wowereit gegen Künast mit 59 zu 23 Prozent. Frank Henkel würde der Amtsinhaber mit 59 zu 21 Prozent schlagen.

Die Berliner billigen Wowereit auch deutlich mehr Kompetenz zu als seinen Kontrahenten. Er ist besser mit den Problemen der Bürger vertraut, hat größeren wirtschaftspolitischen Sachverstand, setzt sich eher für neue Arbeitsplätze ein und ist insgesamt glaubwürdiger. Nur wenn es um den Einsatz für soziale Gerechtigkeit geht, liegt Künast vor dem Sozialdemokraten. Vor allem aber schätzen die Befragten Wowereit als Person. Eine überwältigende Mehrheit hält ihn für sympathischer, sieht in ihm die stärkere Führungspersönlichkeit und findet, er passe besser zu Berlin.