Finanzkrise

Milliardenverluste an den Börsen

Nach der Verschärfung der Schuldenkrise in den USA und Europa sind die Aktienmärkte weltweit tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Dax fiel am Montag unter 6000 Punkte. Er schloss bei 5923,27 Punkten mit 5,02 Prozent im Minus und lag damit auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr. Zunächst hatte das Krisenmanagement der Europäischen Zentralbank (EZB) zusammen mit beruhigenden Aussagen der G-7-Finanzminister noch geholfen, weiteren Schaden durch den Verlust der Topbonität der US-Staatsanleihen auszugleichen.

Doch mittlerweile haben Kursverluste aufgrund von Panikverkäufen an den weltweiten Börsen seit dem 29. Juli mindestens 3400 Milliarden Dollar der globalen Aktienwerte vernichtet - das entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Deutschland.

Die Aktien an der Wall Street gaben bis zum Abend stetig nach. Bei Börsenschluss war der Dow Jones Index um 5,54 Prozent auf 10,810 Punkte gefallen. Auch an den übrigen Finanzplätzen waren die Aktien weiter auf Talfahrt. Dabei hatten die G 7 sowie die Industrie- und Schwellenländer der G 20 hatten am Sonntagabend in Statements signalisiert, dass sie zu weitreichenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen bereit sind, um die globalen Finanzmärkte stabil zu halten. Die G 7 würde bei Bedarf koordiniert eingreifen, um die Märkte mit Geld zu versorgen.

US-Präsident Barack Obama hat am Abend Stellung zu der Herabstufung der US-Bonität genommen. Er sei zuversichtlich, dass die USA ihre Schuldenkrise überwinden werden. Die Probleme seien "kurzfristig lösbar", es brauche aber auch politischen Willen und Gemeinsinn dazu. Obama sagte, die USA seien immer ein "AAA"-Land gewesen und würden es immer sein. Das Land brauche keine Ratingagentur, die ihm sagen, dass sein politisches System Probleme habe, zu funktionieren. Obama appellierte erneut an den US-Kongress, im September Schritte einzuleiten, um bei der Schaffung von Arbeitsplätzen zu helfen. Finanzmärkte weltweit hätten noch immer Vertrauen in die US-Kreditwürdigkeit.

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten befeuerten in Deutschland die Debatte über den richtigen Umgang mit der Schuldenkrise. Der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler forderte eine Sondersitzung des Bundestages. Die Bundeskanzlerin müsse in einer Regierungserklärung deutlich machen, wie sie die Beschlüsse des vergangenen Euro-Gipfels umsetzen wolle, sagte Schäffler. Man sehe derzeit keine Notwendigkeit, die Sommerpause zu unterbrechen, hieß es aus der Unionsfraktion. Auch aus der Spitze der FDP-Fraktion wurde die Forderung zurückgewiesen.

Die Opposition kritisierte das Krisenmanagement der Bundesregierung und in Europa. Die Uneinigkeit in der EU sei die "größte Gefahr für die Finanzmärkte", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel. Die EU-Kommission und die Regierungschefs müssten ihre "katastrophale Kommunikation" verbessern. SPD und Grüne fordern von der Bundesregierung weiter gehende Schritte bei der Bekämpfung der Krise. Sie plädieren für die Einführung von gemeinsamen Staatsanleihen in der Euro-Zone.

Auch der Ruf nach einer Vergrößerung des Euro-Rettungsschirms EFSF wurde wieder etwas lauter. Bei Bedarf könne er aufgestockt werden, sagte der französische Finanzminister François Baroin. Die Bundesregierung lehnt das allerdings weiterhin ab.

Die EZB versuchte, die Lage durch Interventionen am Markt zu beruhigen. Nach Schätzung von Händlern kaufte sie für mehrere Milliarden Euro italienische und spanische Anleihen. Die Zinsen für die Schuldverschreibungen der beiden Länder sanken. .

"Die Bundeskanzlerin muss eine Regierungserklärung abgeben"

Frank Schäffler, FDP-Finanzexperte