Tarifkonflikt

Wegen Lotsenstreik droht Chaos auf deutschen Flughäfen

Urlauber und Geschäftsreisende müssen sich für Dienstag auf Chaos an den deutschen Flughäfen einstellen. Das Frankfurter Arbeitsgericht gab am Montagabend grünes Licht für den von den Fluglotsen geplanten bundesweiten Streik.

Allerdings war die rechtliche Auseinandersetzung damit am Abend noch nicht beendet: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) kündigte umgehend Berufung an. Die Verhandlung vor dem hessischen Landesarbeitsgericht begann um 21 Uhr. Nach mehreren Unterbrechungen forderte der Richter die Gewerkschaft kurz vor Mitternacht zur Absage des Streiks auf, ohne dies als Urteil gewertet wissen zu wollen. Daraufhin bekamen beide Bedenkzeit. Die Entscheidung stand zu Redaktionsschluss noch aus.

Die Deutsche Bahn bereitete sich auf verstärkten Andrang vor, da Fluggesellschaften schon vorsorglich ihre Pläne geändert hatten. Es würden alle zur Verfügung stehenden Züge bereitgestellt und zusätzliche Mitarbeiter in Bahnhöfen eingesetzt, kündigte der Konzern am Abend an. Vom Streik betroffene Kunden von Lufthansa und Air Berlin könnten Tickets für innerdeutsche Flüge gegen Bahnfahrscheine umtauschen.

Der Branchenverband BDL warnte vor massiven Beeinträchtigungen mit bis zu 400 000 gestrandeten Passagieren. Von 6 bis 12 Uhr sollen an deutschen Flughäfen keine Maschinen starten oder landen, teilte die Fluglotsengewerkschaft GdF mit. Sie will mit dem Streik ihre Forderungen im laufenden Tarifstreit durchsetzen.

Die Flugsicherung hatte den Streik erneut mit einer einstweiligen Verfügung verbieten lassen wollen. DFS-Arbeitsdirektor Jens Bergmann bezeichnete einige Forderungen der Fluglotsen in dem Tarifstreit als illegal. Doch anders als in der vergangenen Woche scheiterte das Vorhaben diesmal in der ersten Instanz. "Der Antrag wird zurückgewiesen", sagte Richterin Renate Binding-Thiemann.

Vergangene Woche hatten die Lotsen ihre Streikpläne nicht durchsetzen können, weil eine ihrer Forderungen nach Auffassung des Gerichts illegal war. Diesen Punkt hatten die Fluglotsen-Vertreter nun gestrichen. Wie der seit sieben Monaten schwelende Tarifkonflikt überhaupt gelöst werden kann, ist unklar. Beide Seiten könnten jederzeit die Schlichtung anrufen, die andere Partei müsste dann mitziehen. Auch Binding-Thiemann rief die die Kontrahenten im Gerichtssaal dazu auf, endlich an den Verhandlungstisch zurückzukehren - ohne Erfolg.