Nahverkehr

Schwarzfahren mit Facebook

"Die Fahrscheine bitte!" Wenn dieser Satz fällt, beginnt für Schwarzfahrer eines der letzten Alltagsabenteuer unserer Zeit. Nur die Besten finden dann noch einen Ausweg - mit simulierter Schüttellähmung, einem gekonnten Kreislaufkollaps oder einem Wutausbruch in Gan-Chinesisch.

Alle anderen zahlen das "erhöhte Beförderungsgeld". Oder sitzen die Strafe ab - wie es in der deutschen Hartz-IV-Hauptstadt Mode ist, wegen "Beförderungserschleichung" (§ 265a StGB). Allein ein Drittel der 500 Häftlinge im Gefängnis Berlin-Plötzensee sind Schwarzfahrer. Aber so weit muss es nicht kommen. Die Schwarmintelligenz der Netzgemeinde bietet auch für dieses Problem eine Lösung: Immer mehr mobile Internetnutzer vernetzen sich via Facebook und Twitter in Frühwarnsystemen. Aktuelle Meldungen über den Standort der Kontrolleure helfen, der Fahrscheinkontrolle aus dem Weg zu gehen.

In Dresden, Leipzig, München und Berlin zählen diese Nutzergruppen bereits Hunderte von Teilnehmern. In Hamburg postet die Facebook-Gemeinde mitunter sogar minütlich die aktuellen Einsatzrouten der Kontrolleure. Die ersten Apps für das iPhone und Android-Gerät sind bereits angekündigt, dann funktioniert dieses Warnsystem sogar außerhalb der sozialen Netzwerke. Zwar geben sich die meisten Verkehrsbetriebe noch gelassen und setzen auf die Unberechenbarkeit ihrer Kontrolleursrouten, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis wie bei Warnungen vor Radarfallen im Straßenverkehr die Anzahl und Dichte der Warnmelder die Kontrollen aushebelt.

Aus Wien, wo Schwarzfahrer "Schwarzkappler" heißen und hervorragend organisiert sind, kommt ein besonders pfiffiger Hinweis. Dort bieten die Nahverkehrsunternehmen zunehmend Buchungssysteme an, die auch kurzfristig das Lösen eines Fahrscheins mit dem Handy ermöglichen. Die Bestätigung des Fahrscheinkaufs muss allerdings erfolgen, bevor der Kontrolleur vor einem steht. Kein Problem bei einer guten Verbindung.