Explosion im Regierungsviertel von Oslo

Terror-Angriff erschüttert Norwegen

Viele Tote und Verletzte bei zwei blutigen Terroranschlägen in Norwegen: Mindestens sieben Menschen kamen am Freitag ums Leben, mindestens 20 wurden verletzt, als im Regierungsviertel der Hauptstadt Oslo eine Bombe explodierte. Wenige Stunden später erschoss ein als Polizist verkleideter Mann in einem Ferienlager mehrere Menschen.

Eine Polizeisprecherin sprach von mehr als zehn Toten. Die Polizei nahm den mutmaßlichen Täter fest. Er sei Norweger, 32 Jahre alt und habe im Verhör bislang kein Motiv genannt, gab die Polizei am späten Freitagabend bekannt. Auf der Insel sei nicht detonierter Sprengstoff gefunden worden, hieß es weiter. Auch die deutschen Sicherheitsbehörden sind alarmiert.

Die Wucht der Detonation im Zentrum Oslos verwüstete mehrere Gebäude, darunter den Sitz von Ministerpräsident Jens Stoltenberg. Der Regierungschef wurde nicht verletzt. "Die Situation ist sehr ernst", sagte er - aus Sicherheitsgründen wurde sein Aufenthaltsort geheim gehalten. Wenige Stunden nach dem Attentat in Oslo kamen bei der Schießerei auf der Insel Utoya in einem See nahe der Hauptstadt nach Angaben von Rettungskräften ebenfalls mehrere Menschen ums Leben. Zudem gab es mehrere Verletzte. Bei dem Camp sollte auch Ministerpräsident Stoltenberg einen Gastauftritt haben. Nach Erkenntnissen der Polizei bestand zwischen dem Bombenanschlag und der Schießerei ein Zusammenhang.

Nach einem Bericht der "New York Times", der laut der Zeitung allerdings noch nicht bestätigt ist, hat eine Terrorgruppe namens "Helfer des globalen Jihad" ein Statement mit einem Tatbekenntnis publiziert. Als Quelle nennt das Blatt Will McCants, einen Analysten beim Institut CNA, das Studien über Terror erstellt. Laut dem Statement sollen der Einsatz norwegischer Truppen in Afghanistan und "Beleidigungen des Propheten Mohammed" als Gründe für den Anschlag genannt worden sein.

Die Osloer Polizei glaubt dagegen, vor allem nach der Festnahme des Norwegers auf der Insel, nicht an internationalen Terrorismus. Wahrscheinlicher sei eine lokale Variante, die sich gegen das derzeitige politische System wende. Die Polizei kenne das Milieu, in dem sich der auf der Ferieninsel Festgenommene bewegt. "Wir beobachten die Situation in Oslo genau", sagte ein deutscher Sicherheitsexperte. Wenn sich die Explosion in Oslo als ein Terrorakt herausstellte, wäre es das erste gewaltsame Vorgehen gegen den Westen nach der Tötung von al-Qaida-Chef Osama Bin Laden durch die Amerikaner. Das Ausmaß der Beschädigungen in Oslo würde schon an den 11. September 2001 in New York erinnern, betonten vorsichtig die Experten, die das Geschehen in Oslo beobachten. Sie warnten allerdings vor zu frühen Urteilen. Zunächst müsse "alles in Erwägung gezogen werden". Die deutschen Behörden hatten sofort nach der Explosion im Zentrum der Hauptstadt Verbindungen mit ihren Kollegen in Oslo aufgenommen. Zu Vermutungen über einen möglichen Terroranschlag wollten sich die Deutschen "auf keinen Fall äußern".

US-Präsident Obama rief zu stärkerer Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror auf. "Es ist eine Mahnung, dass die gesamte internationale Gemeinschaft dazu beitragen muss, dass solch ein Terrorakt nicht passiert", sagte er. Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Bombenanschlag scharf. "Mit Entsetzen habe ich von dem schweren Anschlag im Regierungsviertel von Oslo erfahren", hieß es. Das Auswärtige Amt warnte Reisende vor dem Aufenthalt in der Osloer Innenstadt.