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Die SPD legt sich ein Traumschiff zu

Wie sich die Zeiten ändern. "Hier können Familien Kaffee kochen", hieß es um die vorletzte Jahrhundertwende, wenn mit einem sozialdemokratischen Freizeitangebot geworben werden sollte.

Weil das aber schon lange nicht mehr reicht, die Mühseligen und Beladenen bei der Stange beziehungsweise im Ortsverein zu halten, haben sich die Sozialdemokraten jetzt nach mehr als 100-jährigem Nachdenken etwas Neues einfallen lassen. Die SPD legt sich ein Traumschiff zu. Mit ihrer Reisetochter steigt die Partei in das Kreuzfahrtgeschäft ein. "Ab Mai 2012 werden wir das Kreuzfahrtschiff ,MS Princess Daphne' exklusiv für den deutschen Markt anbieten", sagte SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks am Mittwoch in Hamburg. Das Geschäft werde über die SPD-Reiseservice GmbH organisiert, erfährt der staunende Zeitgenosse und wird ganz nebenbei mit der Nase darauf gestoßen, dass die SPD ein Milliardenvermögen an Verlags- und anderen Beteiligungen hält - aus Tradition. Das war einmal die Kriegskasse der deutschen Arbeiterklasse und wird seitdem mit mehr oder weniger Geschick vermehrt.

Das Kreuzfahrtschiff "MS Princess Daphne" bietet Platz für rund 480 Passagiere. Die in der SPD-Beteiligungsholding DDVG organisierte Reisetochter habe 2010 bei acht Millionen Euro Umsatz 240 000 Euro Gewinn erzielt. Hendricks kündigte an, die Partei wolle die Reisetochter ausbauen. Die in Berlin angesiedelte Firma soll von elf Mitarbeitern auf 22 wachsen. Der Reiseveranstalter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands war bisher ein Service für Mitglieder und Freunde der SPD. "Wir sind keine ,Ferienschule' der Partei, sondern bieten Urlaub mit viel Spaß, guter Laune und ein bisschen Erholung vom Alltag mit vielen neuen Erfahrungen und Erlebnissen", heißt es auf der Webseite der GmbH.

Wie das Unterhaltungsangebot an Bord aussehen könnte, war diese Woche ja bereits in der Bundespressekonferenz zu besichtigen. Das neue Dreigestirn Steinbrück/Steinmeier/Garbriel könnte so manche Kappensitzung an fernen Gestaden zu einem unvergesslichen Erlebnis machen - nicht nur zur Karnevalszeit.