Deutsche Bahn

Kein Halten in Wolfsburg

Wer mit der Deutschen Bahn AG zwischen Berlin und Hannover unterwegs ist, stellt sich diese Frage öfter: Warum in Herrgottsnamen hält der ICE eigentlich in Wolfsburg?

Kaum einer steigt ein, noch weniger steigen dort aus. Aber der ICE muss an einem der verlorensten Flecken der Norddeutschen Tiefebene einmal von 250 Stundenkilometer auf Null bremsen und wieder beschleunigen. Macht zusammengerechnet eine Viertelstunde Zeitverlust, von den Energiekosten ganz zu schweigen. Gibt es dort etwa nicht genug fahrbare Untersätze, um aus Wolfsburg, dem VW-Stammsitz, wegzukommen?

Tief ins Unterbewusstsein gleich mehrerer Lokführer muss sich diese Frage eingenistet haben, denn innerhalb von vier Wochen ist jetzt schon der zweite Lokführer eines ICE am Bahnhof Wolfsburg vorbeigefahren.

Doch bevor tatsächlich Zweifel an der bahneigenen Befehlskette aufkommen, hat die Bahn AG die Ursache für den neuerlich verpassten Halt eines ICE-Zugs gefunden. Der Lokführer habe den Zug am Montag nicht gestoppt, weil er mit einem erst im August geltenden Fahrplan unterwegs war, teilte die Deutsche Bahn am Dienstag mit. Die verdutzten Reisenden mussten in Stendal in einen Gegenzug umsteigen.

Stendal - noch so ein gottverlorener Flecken auf der norddeutschen Landkarte, von dem wir sicher nie etwas gehört hätten, wenn nicht Bauarbeiten seit Monaten schon zu wechselnden Fahrplänen führen würden. Und diese bringen offensichtlich nicht nur Reisende durcheinander. Da im Juli der üblicherweise in Wolfsburg haltende Intercity über Magdeburg umgeleitet wird, war für den ICE nach Berlin ein zusätzlicher Halt in Wolfsburg eingeplant. Weil er den falschen Fahrplan hatte, fuhr der Lokführer aber einfach durch. Wenn der ICE "nicht an jeder Milchkanne" halten müsste, wie es Ex-Bahn-Chef Mehdorn einmal formulierte, könnten nicht nur die Zuggäste, sondern auch die Lokführer ruhiger durchschlafen - zwischen Berlin und Hannover.