Schönefeld

Umweltamt fordert Nachtflugverbot

Das Umweltbundesamt hat sich im Streit über die Flugrouten vom künftigen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld für ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr ausgesprochen. "Wir empfehlen an allen städtischen und stadtnahen Flughafenstandorten ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Das gilt auch für Berlin", sagte der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, im Interview mit der Berliner Morgenpost.

Flasbarth kritisierte die für den BER geplante Nachtflugregelung. Sie bedeute, dass es weniger Nachtruhe als heute mit dem jetzigen Flughafen Tegel gebe. Dort dürfen Flugzeuge zwischen 23 und 6 Uhr nicht fliegen. Am neuen Flughafen in Schönefeld dagegen soll es nur zwischen 0 und 5 Uhr ein absolutes Nachtflugverbot geben. In den sogenannten Nachtrandzeiten zwischen 22 und 24 sowie 5 und 6 Uhr sind in Spitzenzeiten dagegen bis zu 103, im Durchschnitt 77 Flugbewegungen zugelassen. Dies hatte das Brandenburger Infrastrukturministerium im Oktober 2009 genehmigt.

Die Flughafengesellschaft, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), CDU und FDP und auch die Airlines haben bislang auf die Notwendigkeit der Nachtrandzeiten hingewiesen, um am BER ein Drehkreuz aufbauen zu können. Die Entscheidung liegt jetzt beim Bundesverwaltungsgericht, denn Anrainergemeinden und betroffene Anwohner klagen gegen die Nachtflugregelung. Das Gericht will im September entscheiden.

Für die Festlegung der Flugrouten für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld sind das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, das Umweltbundesamt und das Bundesjustizministerium zuständig. Die verbindlichen Schönefeld-Routen sollen am 26. Januar nächsten Jahres vorliegen und damit gut vier Monate vor der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens am 3. Juni. Am 4. Juli hatte die Deutsche Flugsicherung nach elf Beratungen in der Fluglärmkommission ihr Routenkonzept für Schönefeld vorgelegt. Die Behörde von Jochen Flasbarth wird in den nächsten drei Monaten die Routen prüfen und eine Stellungnahme an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung abgeben.

"Wir werden die Flugrouten danach bewerten, wie die Lärmbelastung für möglichst viele Menschen reduziert werden kann", sagte Flasbarth der Berliner Morgenpost. "Wir werden dort beginnen, wo die Berliner und Brandenburger am stärksten vom Fluglärm belastet sind, und schauen zunächst, wo die Menschen leben, die nicht mehr tolerierbarem Lärm ausgesetzt sind." Flasbarth schließt Veränderungen an den Routen vom 4. Juli nicht aus. Es dürfe aber bei der Lage des Flughafens niemand Wunder erwarten. Flasbarth sagte auch, dass der BER kein großes Drehkreuz werden wird. "Das entscheidende Drehkreuz in Deutschland bleibt Frankfurt. Und dann folgt München, weit vor Berlin." Der BER aber werde ein wichtiger Flughafen sein, den die Hauptstadt brauche.

Indessen haben in Friedrichshagen wieder gut 2000 Menschen gegen die geplante Flugroute über den Müggelsee demonstriert. Die Friedrichshagener Bürgerinitiative forderte den Regierenden Bürgermeister auf, Alternativvorschläge an die Deutsche Flugsicherung zu übermitteln, damit auf die Müggelseeroute verzichtet werden kann. Dort sind bei Ostwind täglich 122 Flüge in einer Höhe von 1150 Metern vorgesehen. Die Demonstranten und auch die Bezirksvertreter fordern, dass die Route Richtung Süden verlegt wird. Auch der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, nannte die geplanten Flüge über dem Naherholungsgebiet im Osten Berlins "eine Beeinträchtigung".