Karaseks Woche

Die Doktorspiele der FDP

Der FDP laufen nicht nur die vorletzten Wähler weg - allmählich droht der Partei auch das Aussterben ihrer Doktoren. Titel sterben wie die Fliegen, fallen vom Namen ab wie die Krätze.

Nachdem das KT-Virus (Auslöser des sog. Morbus Guttenberg) in Bayern ausgebrochen war und die aggressiven Viren sämtliche Fußnoten und Gänsefüßchen im Stoiber-Umfeld aufgefressen hatten, überfielen sie die FDP, europaweit, besonders aggressiv im Europaparlament.

Fast alle FDP-Doktoren in Straßburg stehen jetzt gelb und nackt da, kein Doktorhut, der sich als Feigenblatt vor die Blöße des Namens halten ließe. Gut nur, dass Dr. Guido W. zurzeit dem Weltsicherheitsrat vorsteht. Er kann dort für seine Partei den Artenschutz als Weltkulturerbe beantragen. FDP-Doktoren sind vom Aussterben bedroht. Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis hat es schon erwischt, Margarita Mathiopoulos, die einst Willy Brandt um Verstand und Parteivorsitz brachte, kämpft noch auf der Intensivstation für befallene Akademiker.

An dieser Stelle gebietet es mir der Anstand zu gestehen, dass auch ich meinen Doktortitel durch Amtsmissbrauch eigentlich nicht mehr im Perso führen dürfte. Ich bin Doktor phil., darf also nur Literaturinfarkte diagnostizieren und Sprachdiarrhöe. Griechisch geschrieben und gesprochen.

Vor 25 Jahren aber, als ich noch jung und unerkannt im Taxi durch Hamburg fahren konnte, wurde ich an einem Freitag stationär in eine Klinik aufgenommen. Zu einer Untersuchung. Ersparen Sie mir und sich die Details! Alles verlief wie erwartet, der behandelnde Arzt aber behielt mich zur Sicherheit über Nacht im Krankenhaus. Da mir nichts fehlte, durfte ich am Sonnabendmorgen schon um sechs Uhr die Heimfahrt antreten.

Die Stationsschwester bestellte ein Taxi, für Dr. K. Der Fahrer kam und fragte mich, ob ich eine anstrengende Nacht gehabt hätte. "Geht so! Danke!", sagte ich und saß in der Falle. Sonnabendmorgen um sechs werden keine Patienten entlassen, und so hielt er mich für einen diensthabenden Doktor am Ende einer Nacht. Eine Frage, fing er an. Er habe so Rückenschmerzen wegen des vielen Fahrens. Ob ich was dagegen wüsste. Ich sagte, Wärme wäre gut. Oder auch Kälte. Je nachdem. Bewegung! Viel Bewegung. Auf härterer oder weicherer Matratze schlafen. Auch je nachdem. Einen Facharzt konsultieren. Einen Orthopäden statt eines Orthografen. Er danke mir überschwänglich, und ich habe ihn glücklicherweise nie wieder getroffen. Ich hoffe, es geht ihm gut. Ohne "Ich hab Rücken", der Deutschen Schlämmer-Krankheit.

Einmal, Jahre später, habe ich als Professor, als Not am Mann war, auf einem Pazifikflug eine Blinddarmoperation mit Plastikbesteck (Messer, Gabel, Löffel und Remy Martin) auf einem Aufklapptischchen erfolgreich ausgeführt. Ich soll im Schlaf "Tupfer!" und "Zange!" gerufen haben, während des Fluges herrschten Turbulenzen.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost