Das erste Berliner Telefonbuch

Die neueste Technik des Kaiserreichs

Berlin war schon immer die Tribüne der allerneuesten Mode-Verrücktheiten. Das war vor 130 Jahren nicht anders als heute. Als am 14. Juli 1881 das erste Berliner Telefonbuch erschien, wurden die darin aufgelisteten Fernsprechteilnehmer genauso verspottet wie heute die Riesensonnenbrillenträger mit den Pornoschnurrbärten in Mitte.

Angeblich nannte der Volksmund das dünne Heft mit den Nummern der 187 Irren, die sich das coolste Technik-Gadget des Kaiserreichs zugelegt hatten, das "Buch der 99 Narren".

130 Jahre später ist man eher geneigt, als die "99 Narren" jene letzten Menschen anzusehen, die immer noch jedes Jahr ein gedrucktes Telefonbuch in ihrer Postfiliale abholen und nach Hause schleppen. Doch der Eindruck, dieses einst so alltägliche Hilfsmittel sei vom Aussterben bedroht, täuscht: Knapp 80 Prozent der Deutschen nutzen laut einer Studie trotz Internet und CD-ROM weiter das gedruckte Telefonbuch. Auch die Auflage der Bücher sowie die Zahl der Einträge (30 Millionen) ist seit Jahren stabil.

Ein Aufstieg aus bescheidenen Anfängen. Lioba Nägele vom Frankfurter Museum für Kommunikation erklärt: "1881 war ein Telefonanschluss ein Prestigeobjekt für Adlige und das Großbürgertum." Ein Drittel der Teilnehmer seien Banken gewesen, gefolgt von Adligen und Geschäftsleuten. "Privatleute waren in dem ersten Telefonbuch nicht verzeichnet, auch eine Frau sucht man vergebens." Allerdings sei die Zahl der Anschlüsse in Großstädten rasant gewachsen, fast monatlich wurden neue Verzeichnisse gedruckt.

Aktualität war damals wie heute das wichtigste Qualitätsmerkmal. Damit das so bleibt, können Privatpersonen seit wenigen Wochen ihre Einträge selbst im Internet bearbeiten. Diese Änderungen werden in die gedruckte Ausgabe übernommen.