Forschung

Dicksein ist ansteckend

Mittelgewichtigen Menschen ist das Phänomen vertraut: Wenn man durch eine Shoppingmall in Amerika schlendert, ein Hip-Hop-Konzert besucht oder sich sonst an irgendeinem Ort befindet, wo sich viele richtig Dicke aufhalten, kommt man sich gleich viel schlanker vor.

Entsprechend schrumpft die eigene Bereitschaft, strenge Diät zu halten. Verirrt man sich aber in eine Prada-Modenschau oder in eine Bar in Berlin-Mitte, nimmt man sich vor, morgen ganz bestimmt mit dem Abnehmen anzufangen.

Forscher der englischen Leeds School of Business haben diesen Effekt nun wissenschaftlich bewiesen. Eine Untersuchung, an der sich insgesamt mehr als 100 Männer und Frauen beteiligt hatten, habe gezeigt, dass Übergewichtige den Appetit ihrer Mitmenschen deutlich anregen, heißt es. Die Wissenschaftler hatten in ihrem Experiment schlanken Menschen Bonbons und Kekse angeboten.

In Anwesenheit von Übergewichtigen langten die Versuchsteilnehmer auffällig häufiger zu den Naschereien als in Gesellschaft von Normalgewichtigen: Der Konsum der Süßigkeiten wurde im Durchschnitt sogar um bis zu 50 Prozent erhöht. Die Experten erklären sich das Phänomen mit einer "psychologischen Entlastung". Schön gesagt.

Die britischen Erkenntnisse werfen auch ein neues Licht auf Literatur und Geschichte: Wie ließ Shakespeare doch seinen Cäsar sagen: "Lasst wohlbeleibte Männer um mich sein, mit glatten Köpfen und die nachts gut schlafen." Generationen von Wissenschaftlern hatten daraus geschlossen, Cäsar hätte die Schlanken für beweglicher und gefährlicher gehalten, deshalb also beleibte Gesellschaft vorgezogen. Vor dem Hintergrund der Studie aus Leeds liest sich das nun ganz anders: Cäsar wollte nur gut essen.