Die neuen Flugrouten über Berlin

Die neuen Flugrouten vom künftigen Großflughafen in Schönefeld stehen fest. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat dabei ihren umstrittenen Vorschlag vom 6. September 2010 nach monatelangen Protesten der Betroffenen in weiten Teilen entschärft.

Berlin ist allerdings im Südwesten und Südosten weiter betroffen, Potsdam wird umflogen. Auch die Einwohner von Kleinmachnow, Teltow, Stahnsdorf und Steglitz-Zehlendorf müssen sich auf Fluglärm einstellen. Im Osten soll auch der Müggelsee überflogen werden. Das neue Konzept stellte die DFS am Montag der Fluglärmkommission vor. Parallel ging der Vorschlag auch an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung. Am 26. September wird die Fluglärmkommission noch einmal beraten. Die Betroffenen reagierten am Montag teils erleichtert, teils entsetzt.

Bei Abflügen von der Nordbahn in Richtung Westen starten die Maschinen zunächst geradlinig, bis sie eine Höhe von 1500 Metern erreicht haben. Maschinen mit Zielen im Westen fliegen dann südlich an Potsdam vorbei. Das sind 130 Starts pro Tag. Die 48 Maschinen, die in Richtung Norden und Osten wollen, fliegen größtenteils über den Wannsee - allerdings in 2400 Metern Höhe, was eine Entlastung im Vergleich zur ursprünglichen Planung bedeutet. Bei großem Verkehr kann dieser Korridor aber auch aufgefächert werden, so dass die Maschinen dann auch Teltow, Stahnsdorf, Zehlendorf oder Kleinmachnow überfliegen dürfen. Der große Verlierer im Westen bleibt Blankenfelde. Der Ort liegt direkt in der An- und Abflugschneise und wird in nur wenigen Hundert Meter Höhe überflogen.

Eine Belastung für die Anwohner bedeuten auch die Starts von der Nordbahn in Richtung Osten. 122 Maschinen pro Tag werden bei Karolinenhof nach Norden abzweigen und den Müggelsee überfliegen - in einer Höhe von gerade einmal 1150 Metern. Damit will die DFS Erkner entlasten, das aber auch dann noch täglich 45 startende Maschinen überqueren werden.

Von der Südbahn schlagen die Piloten in Richtung Westen Linkskurven ein. Bei Starts in Richtung Osten drehen sie hart nach rechts ab, um Zeuthen auszuweichen. 107 Maschinen werden dabei einen Haken schlagen und Wildau überfliegen. Einige schwere Maschinen pro Tag sollen außerdem über Schulzendorf und Eichwalde hinwegfliegen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, das DFS-Konzept sei ein "tragbarer Kompromiss. Das Engagement der Bürgerinnen und Bürger, der Fluglärmkommission und der beiden Landesregierungen in Berlin und Brandenburg hat sich gelohnt." Auch die Vertreter der Bürgerinitiativen im Berliner Südosten und in Potsdam wie auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Steglitz-Zehlendorfs Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) reagierten zufrieden. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative "Keine Flugrouten über Berlin", Marela Bone-Winkel, sprach von einer "verträglichen Lösung". Dagegen sagte der Vorsitzende der Kleinmachnower Bürgerinitiative gegen Flugrouten, Michael Lippoldt, er sei entsetzt. "Das ist der größte anzunehmende Unfall für die Region", so Lippoldt. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Ragow, Maja Boße (CDU), kündigte Protest beim Bundesaufsichtsamt an. Die Route über ihre Gemeinde sei fliegerisch riskant und widerspreche den internationalen Vorgaben.