Alkoholverbot

Hannovers nüchterner Hauptbahnhof

Berlin zaudert noch, Hamburg startet am 1. September, nur Hannover ist schon weiter. In der niedersächsischen Landeshauptstadt war das vergangene Wochenende das erste, an dem auf dem Hauptbahnhof kein Alkohol verkauft werden durfte.

Die Einzelhändler hatten sich in einer gemeinsamen Initiative von Stadt, Polizei und Deutscher Bahn gegen Alkohol und Gewalt darauf eingelassen, zunächst für drei Monate jeweils freitags und sonnabends von 22 bis 6 Uhr den Alkohol wegzuschließen. Hannover ist bundesweit die erste Station mit einer solchen Regelung.

Die offenbar auch Erfolg hat, wie die Bundespolizei am Sonntag bekannt gab. Es habe deutlich weniger Körperverletzungen und Angriffe auf Polizisten gegeben, sagte Dienstgruppenleiter Sandy Choitz. Und das trotz des Schützenfestes. Dabei gibt es nur ein Verkaufs- und kein Alkoholtrinkverbot auf dem Hauptbahnhof, das wäre nach Angaben der Stadt juristisch nicht durchsetzbar gewesen.

In Berlin sehen Politik und BVG trotz der zahlreichen Gewalttaten bislang keinen Grund, den Alkoholverkauf oder das Trinken von Alkohol in den öffentlichen Verkehrsmitteln und auf dem Bahnhof strikter einzuschränken. Hamburg dagegen untersagt öffentliche Trinkgelage ab 1. September auf Bahnsteigen, in Bahnen und Bussen. Mit Grund: Allein am Freitag und Sonnabend registrierte die Bundespolizei in Hamburg mehrere Zwischenfälle unter Alkoholeinfluss. So stürzte ein 20-Jähriger volltrunken auf die S-Bahn-Gleise und wurde dabei schwer verletzt. Ein alkoholisierter 25-Jähriger schlug am Bahnhof Altona auf einen 14-Jährigen ein, zwei Betrunkene (2,53 und 3,2 Promille) verprügelten sich in einer S-Bahn gegenseitig, und ein 43-Jähriger wurde mit erschreckenden 4,11 Promille auf dem Bahnsteig aufgegriffen. Die Bundespolizei warnte daraufhin mal wieder vor den "Gefahren an Bahnanlagen unter Alkoholeinfluss".

Allerdings: Ganz ohne Zwischenfälle ging es auch am nüchternen Bahnhof Hannover nicht ab. Dort randalierte ein Mann am Kiosk und beschimpfte den Ladeninhaber wüst - weil er keinen Alkohol mehr bekam.