Libyen

Gaddafis wirre Drohungen

Um Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi ist es einsam geworden. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich längst von ihm abgewendet, bombardiert seit März seine Truppen, um ihn zum Aufgeben zu zwingen.

Wie es um die militärischen Ressourcen des Obersts steht, ist weitgehend unklar. Frankreich beliefert inzwischen die Rebellen mit Waffen. Der Internationale Strafgerichtshof hat einen Haftbefehl gegen ihn und seinen Sohn Saif al-Islam ausgestellt.

Doch Gaddafi scheint das nicht anzufechten. Am Freitag drohte er sogar damit, zum Gegenangriff überzugehen - auf Europa. In einer Audio-Botschaft kündigte er an, das großartige libysche Volk werde den Nato-Staaten eine "Katastrophe" bescheren, falls die Angriffe nicht aufhören würden. Er wolle die Schlacht von Libyen ins Mittelmeer und nach Europa tragen. Den Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Italien und Großbritannien drohte er mit Angriffen auf ihre Amtssitze, Familien und Privathäuser. "Diese Menschen (die Libyer) sind dazu in der Lage, diesen Kampf eines Tages nach Europa zu bringen, um auf eure Häuser, Büros, Familien abzuzielen, die zu legitimen militärischen Zielen würden, wie ihr auf unsere Häuser abgezielt habt", sagte Gaddafi. "Wenn wir uns dazu entschließen, sind wir dazu in der Lage, nach Europa wie Heuschrecken, wie Bienen zu ziehen." In der gleichen Rede nannte er US-Präsident Barack Obama "meinen Sohn" und Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi sowie den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy jeweils "meinen Freund". Aber wer so um Verwandte oder gar Freunde ringt, um den muss es wirklich bereits sehr einsam geworden sein.