Gesundheit

Experten warnen vor EHEC im Trinkwasser

Wissenschaftler warnen davor, dass der aggressive neue EHEC-Erreger auch ins Trinkwasser gelangen könnte. "Die Gefahr durch eine mikrobiologische Belastung des Trinkwassers wurde bisher absolut unterschätzt", sagte Martin Exner, Direktor des Hygieneinstituts der Uni-Klinik Bonn und Vorsitzender der Trinkwasserkommission des Umweltbundesamts (UBA), dem "Spiegel".

Die Experten gehen davon aus, dass der EHEC-Erreger fähig ist, sich in der Umwelt einzunisten. Der Keim werde es darauf anlegen, "irgendwann wieder in den Menschen zu kommen", sagte Helge Karch, Direktor des Instituts für Hygiene des Universitätsklinikums Münster.

In den deutschen Ballungsgebieten sei die Gefahr eher gering, weil das Trinkwasser mehrmals am Tag kontrolliert werde. Anders sehe die Situation jedoch in kleineren Wasserwerken aus. In einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in fünf Prozent der Proben aus kleineren Wasserwerken Baden-Württembergs und in fast jedem zweiten privaten Brunnen des Landes Darmbakterien nachgewiesen.

UBA-Präsident Jochen Flasbarth warnte dagegen in einer Erklärung vor "unbegründeter Panikmache". "So mancher Experte wäre gut beraten, von unbedachten Katastrophenmeldungen abzusehen", kritisierte er. Das UBA betonte, EHEC-Bakterien des aktuellen Ausbruchsstamms kämen im Abwasser und in Gewässern äußerst selten vor. "Da der Anteil an EHEC-Kranken in der Bevölkerung sehr gering ist, gibt es unter den im Abwasser vorkommenden Darmbakterien nur in Ausnahmen EHEC." Dies bestätigten die vorliegenden Daten.