Sicherheit

Verkehrsverbund für Alkoholverbot auf Bahnhöfen

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) will stärker gegen Trinkexzesse in Bussen, Bahnen und Bahnhöfen vorgehen und fordert ein gesetzliches Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr. Alkohol in den Verkehrsmitteln sei zu einem "echten Problem" geworden, das vor allem das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Fahrgäste beeinträchtige, sagte VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz der Berliner Morgenpost.

Betrunkene seien außerdem für mehr als die Hälfte aller Straftaten im öffentlichen Nahverkehr verantwortlich.

Bereits jetzt ist in den VBB-Beförderungsbestimmungen und den Hausordnungen der Konsum von Speisen und Getränken in den Verkehrsmitteln verboten. Doch die Sicherheitskräfte seien überfordert, das Verbot durchzusetzen, so Franz. Deshalb fordert er ein über die Bestimmungen hinausgehendes gesetzliches Verbot - auch auf Bahnhöfen. Analog zum Rauchverbot solle es möglichst eine bundeseinheitliche Regelung geben. "Ein Gesetz erhöht nicht nur die Akzeptanz, es erleichtert den Mitarbeitern der Verkehrsbetriebe auch, im Konfliktfall die Polizei zu rufen", sagte Franz.

In Berlin reagieren Politik und Nahverkehrsunternehmen bislang tolerant auf das zunehmende öffentliche Trinken - gerade auch in öffentlichen Verkehrsmitteln. In Hamburg geht man konsequenter vor. So untersagt der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) vom 1. September an den Alkoholkonsum in fast allen Verkehrsmitteln. Ausgenommen sind lediglich einige Fähren sowie Regionalzüge, die über das Gebiet des Hamburger Verkehrsverbundes hinaus fahren. Für ein solches Verbot hatten sich 86 Prozent der Hamburger ausgesprochen. Sicherheitskräfte, die ohnehin für Verkehrsunternehmen wie die Hamburger Hochbahn oder die S-Bahn Hamburg unterwegs sind, sollen das Trinkverbot durchsetzen. Zusätzliche Mitarbeiter sollen dafür erst einmal nicht eingestellt werden. Angesichts des großen Rückhalts bei der Mehrzahl der Fahrgäste setzt der HVV auf freiwillige Einsicht.

Dennoch gibt es Strafen: Nach einer vierwöchigen sogenannten Verwarnphase wird ab dem 1. Oktober ein Bußgeld von 40 Euro verhängt. Das generelle Trinkverbot gilt im Gegensatz zu Berlin ausdrücklich auch in allen S- und U-Bahnhöfen. Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) gibt es dagegen zurzeit auf den Bahnhöfen nur bei "übermäßigem Alkoholgenuss" Hausverweise.

Auch in der Hauptstadt mehren sich nun die Stimmen, die ein härteres Vorgehen gegen die immer häufigeren und exzessiveren Trinkgelage besonders von Partytouristen fordern. Gerade an Wochenenden gebe es auf einigen Straßenbahn- und S-Bahn-Linien erhebliche Probleme, beklagt etwa der Berliner Fahrgastverband Igeb. Es müsste zwar nicht zugehen wie in Singapur mit seinen harten Strafen, aber Busse, Bahnen und Bahnhöfe in Berlin dürften nicht immer mehr zur Partyzone werden, sagte Verbandssprecher Jens Wieseke. Aus diesem Grund sollte jetzt genau geschaut werden, was Berlin von Hamburg lernen könne.

Auch VBB-Chef Franz ist "sehr gespannt, wie sich die neue Verbotsregelung in Hamburg durchsetzen wird". Bei einem Erfolg müsse man auch in Berlin über eine ähnliche Regelung nachdenken.