Terror

Berliner Islamist in Wien gefasst

Als vermummter Gotteskrieger aus Deutschland hatte er mit Terroranschlägen gedroht - auch in Berlin. Jetzt wurde der Berliner Islamist Yusuf O. in Österreich festgenommen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost gelang der Polizei in Wien die Verhaftung bereits Ende Mai.

Yusuf O., 26-jähriger Deutsch-Türke, war im Frühjahr 2009 nach Pakistan gereist und hatte sich im Grenzgebiet zu Afghanistan der Terrorgruppe "Deutsche Taliban Mudschahedin" (DTM) angeschlossen. Als "Ayyub al-Almani" trat der Islamist in mehreren Propagandavideos auf und drohte im September 2009 direkt mit Anschlägen in deutschen Großstädten. Deutsche Sicherheitsbehörden nannten seinen Videoauftritt damals "das konkreteste Drohvideo, das sich je gegen Deutschland richtete".

Details zu den Umständen der Verhaftung des Islamisten wurden nicht bekannt. Vermutlich aber war Yusuf O. erst vor Kurzem aus einem terroristischen Ausbildungslager in Pakistan zurückgekehrt und plante, über Österreich nach Deutschland einzureisen. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft in Karlsruhe seit dem vergangenen Jahr gegen den deutschen Staatsbürger wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Yusuf O. hatte in einem Video mit Anschlägen in Deutschland gedroht, sollte die Bundeswehr den Afghanistan-Einsatz nicht beenden. Während der Propagandarede wurden im Hintergrund Fotos möglicher Anschlagsorte abgebildet - darunter das Brandenburger Tor und das Münchner Oktoberfest. "Deutschland befindet sich im Krieg, doch das Volk ist im Tiefschlaf", drohte Yusuf O., "euer Sicherheitsgefühl ist nur eine Illusion, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Dschihad die deutschen Mauern einreißt."

Die Sicherheitsbehörden konnten kurz nach Veröffentlichung der Drohvideos der Deutschen Taliban mehrere ihrer Mitglieder identifizieren - darunter auch Yusuf O. Der Islamist galt als gut integriert, bestand im Jahr 2005 sein Abitur an einem Berliner Oberstufenzentrum und begann anschließend ein Studium der Ingenieurwesen an der Technischen Hochschule.

An "Spirituellem, Bauwesen, Schusswaffen" sei er interessiert, schrieb Yusuf O. vor Jahren im Internet über sich. Er sei ein "kreatives Köpfchen", spreche Deutsch, Englisch und Türkisch. In Kreisen der Terrorermittler geht man davon aus, dass sich der Student schließlich in einer Berliner Moschee radikalisierte. Der ebenfalls aus Berlin stammende Fatih T. gehörte zu seinen Freunden. Beide reisten nach Waziristan in den "Dschihad". Wann Yusuf O., der sich derzeit noch in österreichischer Haft befindet, an die deutschen Behörden übergeben wird, steht noch nicht fest. Auf Nachfrage der Morgenpost erklärte die österreichische Staatsanwaltschaft, es müsse erst ein Prüfungsverfahren abgeschlossen werden.

Laut Bundeskriminalamt sind seit Anfang der 90er-Jahre etwa 220 Deutsche mit Migrationshintergrund, deutsche Konvertiten und Ausländer paramilitärisch sowie in Terrorcamps ausgebildet worden. Das BKA geht davon aus, dass nicht nur in Afghanistan und Pakistan, sondern auch im Jemen und Somalia Terroristen geschult werden. In Ballungsgebieten mit mehreren Millionen Einwohnern leben rund 85 der 130 gefährlichsten Islamisten. Schwerpunkte dabei sind Hamburg und Berlin mit je rund einem Dutzend so genannter Gefährder. Auch im Rhein-Main-Gebiet und in den Regionen Köln-Bonn und Rhein-Ruhr sollen bis zu zehn Terrorverdächtige wohnen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Magazin "Stern" kürzlich anhand einer ihm vorliegenden geheimen Liste von Terrorverdächtigen vorgenommen hat.