Patriarchat

Freie Fahrt für saudische Frauen

Søren Dulong Andreasen aus Dänemark sandte den saudischen Frauen einen aufmunternden Gruß mit machistischem Augenzwinkern auf ihre Facebook-Seite "Women2Drive" (Frauen ans Steuer): "Viel Glück beim Einparken!"

Die mutigen Damen, die sich am Freitag trotz martialischer Drohungen vieler ihrer männlichen Landsleute hinter das Lenkrad ihres Autos setzten und durch Riad, Dammam oder Taif fuhren, werden es gelassen gesehen haben. Sie haben ganz andere Probleme.

In Saudi-Arabien gibt es kein Gesetz, das Frauen das Autofahren untersagt. Das Verbot gründet sich auf das religiöse Rechtsgutachten (Fatwa), mobile Frauen seien Sittenwidrigkeiten und Versuchungen ausgesetzt. Das Frauenfahrverbot ist zu so etwas wie Gewohnheitsrecht in der Wüstenmonarchie geworden. Man lässt Frauen dort studieren und unverschleiert arbeiten in Hightech-Berufen, Medien oder der Erdölindustrie.

Aber zum Einkaufen müssen sie einen Chauffeur mieten, ins Taxi steigen oder sich vom kleinen Bruder fahren lassen. Genug! Gestern sollte ein Zeichen gesetzt werden. Und es war 0.40 Uhr in der Nacht zum Freitag, als die erste Frau im Schutz der Nacht und der Anonymität eine Spritztour durch die verlassenen, spärlich beleuchteten Straßen Riads unternahm. Ein dabei gedrehtes Handy-Video erschien auf YouTube mit der Bemerkung AWESOME! - Fantastisch! Dutzende Frauen folgten. Manal al-Scharif, eine 32 Jahre alte alleinerziehende Mutter eines vierjährigen Sohnes, musste im Mai für dieses "Vergehen" neun Tage ins Gefängnis. Sie hat ihren Führerschein in den USA erworben, wo sie fahren dürfte.

Wie ernst die absolutistische Monarchie den kleinen, gesellschaftlichen Revolutionsversuch im Umfeld kollabierender arabischer Diktaturen nimmt, zeigen ihre Gegenmaßnahmen: In Riad marschierten langbärtige Religionspolizisten auf. Die "Behörde für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters" zeigte Flagge. Noch so eine Absurdität im Reich der männlichen Monopole.