Kriminalität

Millionenbetrug an Tausenden Berliner Schülern

Abiturienten von rund 40 Schulen in Berlin und Brandenburg sind offenbar von einer Firma um ihren Abitur-Ball betrogen worden. Das Landeskriminalamt Berlin ermittelt deshalb wegen Leistungsbetrugs. Eine Eventagentur, die die Feiern organisieren und die Unkostenbeiträge an die Austragungsorte weiterleiten sollte, habe dies offenbar unterlassen.

Sechs Anzeigen von betroffenen Schulen wurden gestern bei der Berliner Polizei erstattet, am Nachmittag stellte zusätzlich ein einzelner Schüler Strafantrag. Die Polizei geht aufgrund dieser bisherigen Vorgänge von 128 000 Euro Schaden aus. Ein von mehreren Betroffenen beauftragter Anwalt spricht von einem Gesamtschaden, der die Millionengrenze überschreiten könnte.

Bei der Firma handelt es sich um die Eventagentur Easy-Abi in Kreuzberg. Einem Ermittler zufolge könnten sich die Untersuchungen schwierig gestalten, weil der Ermittlungskomplex "sehr groß" sei. Die Firma sei vor etwa sechs Wochen für einen Preis von 400 000 Euro an neue Besitzer verkauft worden. Es müsse demnach vorrangig geklärt werden, wann die Beträge der Schulen an die Eventfirma überwiesen wurden, um feststellen zu können, wer sie veruntreut hat. Das Landeskriminalamt ermittele nun, wer zu welchem Zeitpunkt verantwortlich gewesen sei und auf wessen Konten die Gelder eingegangen sind. Die Geschäftsführung war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Laut einem Polizeisprecher sei der frühere Geschäftsführer der Firma, die ihre Dienste vor allem im Internet anbietet, verschwunden. Ermittler befürchten, dass die Party-Agentur noch mehr Schüler von anderen Schulen betrogen haben könnte. "Wir gehen davon aus, dass die Zahlen der Strafanzeigen auch mit Bekanntwerden der neuen Umstände noch steigen werden", so ein Kriminalbeamter.

Allein das Melanchthon-Gymnasium aus Hellersdorf sei einem Polizeisprecher zufolge vermutlich um 42 000 Euro betrogen worden. Die Schule wollte am 18. Juni im Hotel Maritim am Potsdamer Platz feiern. Die Sache kam nach Polizeiangaben ans Tageslicht, weil sich die Abiturienten nach den Details ihres Fests erkundigen wollten und dabei erfahren mussten, dass keinerlei Reservierungen oder Zahlungen vorgenommen worden seien. In einem weiteren Fall hätten Schulabsolventen über die Agentur eine Reise nach Spanien gebucht und bis Dienstag keinerlei Reiseunterlagen erhalten. Eine andere Schule dagegen hatte Glück, weil sie bisher nur mit 500 Euro in Vorkasse getreten war.

Nach Schätzungen des Berliner Juristen Karun Dutta dürften insgesamt Tausende Jugendliche betroffen sein. Für die aufwendig gestalteten Abschlussbälle, die in den Hotels Maritim, Hyatt oder Tegel Palais hätten stattfinden sollen, hätten die Familien je nach Anzahl der Gäste jeweils zwischen 50 und 500 Euro gezahlt, so Dutta. Das Maritim teilte gestern mit, dass es an einer Lösung interessiert sei. Den Schülern werde demnach ein alternatives Angebot "zu einem abgespeckten Preis gemacht" werden, so das Hotel weiter.