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Der Anfang vom Ende der Ära Facebook?

Noch bis vor Kurzem schien das Wachstumspotenzial von Facebook unendlich groß. Innerhalb von nicht einmal einer Dekade hatte Gründer Mark Zuckerberg ein Unternehmen aufgebaut, das zuletzt Jahreseinnahmen in Höhe von rund zwei Milliarden Dollar vorweisen konnte.

Der spektakuläre Hollywoodfilm "The Social Network" feierte Facebook als die größte Erfolgsgeschichte des frühen 21. Jahrhunderts. Über 600 Millionen Nutzer tummeln sich weltweit auf Facebookseiten, während Konkurrent MySpace ums Überleben kämpft.

Doch jetzt rieseln die ersten Steinchen in das sonst wie geschmiert rollende Facebook-Getriebe. Auf den wichtigsten Märkten verabschieden sich immer mehr Internetnutzer von der Plattform. Allein im Mai verlor Facebook nach eigenen Angaben in den USA rund sechs Millionen Mitglieder (von bisher rund 155 Millionen). Im selben Zeitraum verabschiedeten sich in Kanada anderthalb Millionen Nutzer. Und beispielsweise auch in Großbritannien, Russland und Norwegen loggten sich Hunderttausende nicht mehr ein oder löschten ihren Account gleich ganz. Da dies bereits der zweite Monat in Folge mit hohen Verlusten ist, deuten Analysten dies als sicheres Zeichen, dass Zuckerbergs Netzwerk seine Expansionsgrenzen erreicht hat. Da nutzt es wenig, dass Facebook seinerseits auf die noch zu erobernden Märkte in einwohnerstarken Ländern wie Brasilien, Mexiko oder Indonesien verweist.

Gründe für eine wachsende Facebook-Skepsis gibt es reichlich. So hinterlässt bei vielen das Öffentlichmachen der eigenen Privatsphäre ein mulmiges Gefühl. Zuletzt wurde es sogar noch verstärkt, als Facebook ankündigte, eine automatische Gesichtserkennung über eingestellte Fotos laufen zu lassen. In Hamburg musste vor einer Woche ein Großaufgebot der Polizei anrücken, um Hunderte Jugendliche zu zähmen, die auf einer per Facebook angekündigten Geburtstagsparty randalierten. Alles nur, weil das Geburtstagskind vergessen hatte, einen Haken an der richtigen Stelle zu setzen. In der Nacht zum Sonntag wollten sich Hunderte eine Prügelei zweier Mädchen in Bayern ansehen, die diese per Facebook angekündigt hatten. Und in München löste die Polizei eine Party betrunkener Jugendlicher in der U-Bahn auf, die sich über Facebook verabredet hatten.

Zudem streitet sich Mark Zuckerberg vor Gericht schon seit Monaten mit seinem alten Mitstreiter Paul Ceglia, der ihm Ideenklau vorwirft. Ceglia sollte sich mit Zuckerberg schnell einigen. Wer weiß, wie lange mit Facebook noch Millionen zu machen sind.