Gesundheit

Forscher: Sprossen sind Auslöser der EHEC-Epidemie

Die Behörden haben nach eigenen Angaben das Rätsel um den Ursprung der EHEC-Epidemie gelöst. Erstmals konnten sie auf Sprossen des Gärtnerhofs im niedersächsischen Bienenbüttel den gefährlichen Erregertyp O104 nachweisen.

Die Packung war in Nordrhein-Westfalen aufgetaucht. Zugleich gaben die Gesundheitsbehörden Entwarnung bei Tomaten, Gurken und Salat. Diese könnten jetzt wieder verzehrt werden. Die Warnung vor Sprossen bleibt bestehen. Bundesweit nahm die Zahl der Neuinfektionen weiter ab. Inzwischen sind mindestens 32 Menschen gestorben.

Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium gab bekannt, dass der Typ O104 erstmals in einer geöffneten Packung Sprossen aus Bienenbüttel nachgewiesen worden sei. Die Packung habe im Müll einer Familie aus dem Rhein-Sieg-Kreis gelegen. Zwei Familienmitglieder hätten von den Sprossen gegessen und seien Mitte Mai an EHEC erkrankt. Damit sei erstmals eine ununterbrochene Kette zwischen infizierten Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel und erkrankten Personen nachgewiesen.

Bereits zuvor hatte der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, in Berlin gesagt: "Es sind die Sprossen." Das habe eine Überprüfung der Lieferwege ergeben. Die Eingrenzung der Infektionsquelle sei anhand ausführlicher Befragungen der Patienten und der Auswertung von Lieferdokumenten möglich gewesen, so Burger weiter. Zuletzt half offenbar auch der Zufall, als ein Digitalfoto von einer später erkrankten Reisegruppe auftauchte, das zeigte, wie sie im Restaurant Salat mit Sprossen aß.

Generell könne aber noch keine Entwarnung gegeben werden, betonte Burger. Es gebe weiterhin Neuerkrankungen, auch wenn deren Zahl zurückgehe. Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, riet den Verbrauchern, alle ihre Sprossenvorräte zu vernichten.

Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte, er könne noch "keine Entwarnung geben, leider ist weiter mit neuen Infektionen zu rechnen". Er verteidigte die Warnungen vor Salat, Gurken und Tomaten als richtig.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) nannte den Gärtnerhof eine "Spinne im Netz". Offenbar hätten mindestens 80 Opfer der Seuche in ganz Deutschland Sprossen zu sich genommen, die dort gezogen wurden. Obwohl der Hof geschlossen ist, gilt die Warnung vor Sprossen weiter, da bislang nicht klar ist, wie der Keim auf die Sprossen gelangt war. Möglich ist eine Verseuchung des gelieferten Saatguts oder eine Verunreinigung durch die Mitarbeiter. Auch Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte am Abend in Berlin, die Arbeit der Ermittler sei noch nicht beendet. "Unklar ist noch, wie die Bakterien auf die Sprossen gelangt sind."

In Berlin ist die Zahl der EHEC-Erkrankten mit 39 Fällen stabil geblieben. Bei der Komplikation HUS hätten sich drei Verdachtsfälle nicht bestätigt, sodass es nun 13 Infizierte gebe, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Marie-Luise Dittmar.

Der Deutsche Bauernverband reagierte erleichtert über die aufgehobene Warnung. "Das ist eine gute Botschaft für die deutschen und europäischen Gemüseerzeuger", sagte Verbandspräsident Gerd Sonnleitner.