Gesundheit

EHEC: Spanien droht mit Klage

Bei der Suche nach dem Ursprung der EHEC-Infektionswelle hat sich der Verdacht gegen Gemüsesprossen vorerst nicht erhärtet. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) wollte am Montag dennoch keine Entwarnung geben. Bundesweit sinkt die Zahl der Neuinfektionen etwas.

Gleichzeitig gerät Deutschland wegen seines Krisenmanagements in die Kritik.

Wie das niedersächsische Landwirtschaftsministerium mitteilte, seien 23 von 40 Proben aus dem Saatgutbetrieb in Bienenbüttel (Landkreis Uelzen) nicht mit EHEC verunreinigt gewesen. Allerdings heißt das noch nicht, dass die Sprossen nicht der Auslöser für die Infektionen waren. Laut einem Ministeriumssprecher ist nicht auszuschließen, dass vor Wochen eine Ladung Saatgut kontaminiert war, die längst verbraucht wurde. Der Betrieb wird aus mehreren Ländern beliefert, unter anderem aus Asien. Die Mitarbeiter des Gärtnerhofs Bienenbüttel schrieben auf ihrer Internetseite, sie seien "erschüttert und besorgt". Ein Team des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und des Robert-Koch-Instituts (RKI) sollte weitere Proben nehmen.

Die Bundesregierung empfiehlt, auf Sprossen weiter zu verzichten. Auch die Warnung vor rohen Tomaten, Gurken und Blattsalaten bleibt bestehen. Aigner sagte, diese Empfehlung gelte, solange nicht alle Untersuchungen abgeschlossen seien und der Verdacht nicht vollständig ausgeschlossen werden könne. "Für die Bundesregierung hat der Kampf gegen EHEC höchste Priorität", sagte Aigner.

Den Nachweis erleichtern könnte eine Packung mit Sprossen, die ein Hamburger den Behörden überließ. Der Mann, der Anfang Mai selbst an EHEC erkrankte, inzwischen aber wieder gesund ist, hatte die Sprossen der Sorte Milde Mischung mit Ablaufdatum 23. April im Kühlschrank vergessen. Wie BfR-Präsident Andreas Hensel sagte, sollen sie nun auf den Erreger untersucht werden.

Deutschlandweit ging die Zahl der Neuerkrankungen ein wenig zurück. Dies deute an, dass sich die Lage etwas entspannt habe, sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). RKI-Angaben zufolge sind bislang 1601 Fälle übermittelt - darunter 658 Fälle mit HUS. 22 Todesfälle werden mit dem Erreger in Verbindung gebracht. In Brandenburg starb am Montag ein zweiter EHEC-Patient, der allerdings schon zuvor an einer schweren Grunderkrankung gelitten hatte.

Unterdessen wächst die Kritik an Deutschlands Krisenmanagement. Vor allem Spanien warf der deutschen Regierung beim Treffen der EU-Gesundheitsminister in Luxemburg vor, die eigenen Bauern beschädigt zu haben - "unbegründet". "Wir wollen unseren Unmut darüber ausdrücken, wie diese Krise behandelt worden ist. Das hat die Interessen unseres Landes beschädigt", sagte Spaniens Gesundheitsministerin Leire Pajin. "Wir fordern natürlich Entschädigungen für den gravierenden und bleibenden Schaden, den Spanien erlitten hat." Landwirtschaftsministerin Rosa Aguilar sagte: "Wenn Deutschland unsere Forderungen zu 100 Prozent erfüllt, ist die Affäre für uns beendet, wenn nicht, behalten wir uns rechtliche Schritte vor." Entgegen ersten Annahmen waren spanische Gurken nicht mit dem aktuell grassierenden EHEC-Keim kontaminiert. Andere Länder warfen Deutschland vor, die EU-Länder nicht schnell genug informiert zu haben. Auch deutsche Bauern verlangen inzwischen Entschädigungen.

Die deutsche Gesundheitsstaatssekretärin Annette Widmann-Mauz verteidigte dagegen das Vorgehen der Regierung. "Wir hatten den Verdacht, und deshalb war es richtig, die entsprechenden Verzehrempfehlungen zu geben", sagte sie. "Das sind wir den Menschen wirklich schuldig."