Niedersachsen

Wie Geier zu Polizisten werden

Ziemlich intelligent und auch ein bisschen verschreckt blinzelt Sherlock am Dienstag im Weltvogelpark Walsrode in die Runde. Fliegen will er an diesem verregneten Nachmittag nicht.

Doch bei schönem Wetter könnte er als gefiederter Helfer künftig durchaus zur neuen Wunderwaffe der Ermittler werden. Was zunächst nach einem Aprilscherz klingt, ist ein ernst gemeinter Ansatz, um Vermisste aufzuspüren.

In Zusammenarbeit mit Walsrode will die niedersächsische Polizei dafür in Zukunft speziell trainierte Spürgeier einsetzen. Bereits seit fünf Jahren wird dazu im Park der Truthahngeier Sherlock ausgebildet. Unterstützung ist mittlerweile durch die beiden prächtig entwickelten Junggeier Miss Marple und Columbo dazugekommen, die eigens für diesen Job aus Österreich importiert wurden. Das aufwendige Trainingsprogramm, das seit zwei Jahren läuft, zielt darauf ab, die Tiere auf menschlichen Leichengeruch zu konditionieren. Dazu werden keine echten Leichen verwendet, sondern imprägnierte Stoffe aus Leichenschauhäusern, welche Spürgeier Sherlock bei Tests bereits ziemlich schnell und präzise findet. Die Vögel könnten, sagt Hauptkommissar Rainer Herrmann von der niedersächsischen Polizei, die Funktion eines Geruchsdetektors übernehmen, der technisch bisher nicht möglich sei.

Einige Probleme gebe es allerdings noch. So sei es moralisch bedenklich, dass die Geier menschliche Überreste anknabbern könnten. Zudem sind die Vögel äußerst heimatverbunden und erkunden nur sehr ungern neues Terrain. Genau das müssten sie jetzt aber tun, um großflächig für die Polizei zum Einsatz zu kommen. Sollte es jedoch gelingen, die Vögel entsprechend zu trainieren, könnten die Spürgeier die Suche nach Vermissten tatsächlich revolutionieren.