Energiewende

Atomausstieg bis 2022 - Grüne vermuten "Hintertür"

Spätestens 2022 wird Deutschland vollständig aus der Atomkraft ausgestiegen sein.

Darauf haben sich die Koalitionsspitzen beim Atomgipfel im Kanzleramt in der Nacht zu Montag geeinigt. Ein Kernkraftwerk soll allerdings im Bereitschaftsbetrieb bleiben, um eventuelle Stromausfälle zu verhindern. Die acht bereits abgeschalteten Meiler gehen nicht wieder ans Netz. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Montag, Deutschland sei Vorreiter einer internationalen Energiewende. Die Bundesrepublik könne als erste Industrienation eine "neue Architektur der Stromversorgung" schaffen. Sie bezeichnete den Atomausstieg und die angestrebte vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien bis 2050 als "große Herausforderung, aber auch große Chance" für das Land.

Umweltverbände kritisierten den Beschluss: Eine Frist bis 2022 sei nicht der schnellstmögliche Ausstieg. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte zudem, die Regierung halte sich mit der Option, ein AKW als "Kaltreserve" zu nutzen, eine Hintertür offen. Er sagte am Abend im ZDF, man sei zu Gesprächen über einen Zeitkorridor von 2017 bis 2020 bereit. Die deutsche Industrie warnte dagegen vor einem unumkehrbaren Ausstieg, höheren Strompreisen und Blackouts. SPD und Grüne hielten sich mit Kritik ansonsten aber eher zurück und signalisierten sogar Bereitschaft, an einem Konsens mitzuwirken. Schließlich ist der Beschluss praktisch der gleiche, den die rot-grüne Regierung bereits 2000 getroffen hatte.