Schleusungen

Deutscher Diplomat in Untersuchungshaft

Polizeibeamte haben den Vizekonsul der Bundesrepublik Deutschland in Dubai auf dem Flughafen Tegel verhaftet. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus ranghohen Sicherheitskreisen.

Demnach wird dem 40-jährigen Martin T. Korruption und bandenmäßiges Schleusen von Menschen vorgeworfen. Der Diplomat soll dabei geholfen haben, mehrere Personen aus Afghanistan von Dubai aus nach Deutschland zu bringen. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe. Er sitzt derzeit in der Untersuchungshaftanstalt Berlin.

Martin T. war durch weltweite intensive Ermittlungen zum Komplex der Schleusungen ins Visier der Polizei geraten. Ein afghanischer Komplize soll für Scheinfirmen in Deutschland afghanische Arbeitskräfte angefordert haben, der Vizekonsul - zuständig für das Pass- und Meldewesen in Dubai - soll die nötigen Beschlüsse und Genehmigungen besorgt haben. Am 21. Mai wurde schließlich Haftbefehl erlassen, die Beamten stellten Martin T. auf dem Flughafen Tegel, als er nach einem Aufenthalt in Berlin via Frankfurt zurück nach Dubai reisen wollte. Sein mutmaßlicher Komplize wurde in Hamburg verhaftet, Bundespolizisten brachten ihn inzwischen ebenfalls nach Berlin. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, sollen beide die Vorwürfe bestreiten. Wann es zu einem Verfahren kommt, ist noch unklar.

Martin T. selbst stammt aus Wiesbaden und soll keine feste Wohnanschrift in Deutschland haben. Nach Angaben eines Ermittlers lebt er während Aufenthalten in Berlin bei Bekannten. Dort wurde inzwischen auch ein Durchsuchungsbefehl vollstreckt, laut einem Beamten seien vergleichbare Aktionen in Dubai vorgesehen. Aus Kreisen der Sicherheitsbehörden verlautete, dass Martin T. bislang elf Fälle von Menschenschleusungen zur Last gelegt werden. Angeblich sollen dafür jeweils 3000 Euro Lohn an den Vizekonsul geflossen sein.

Das Thema Schleusung beschäftigt die Behörden bereits seit geraumer Zeit, weil Menschen aus vielen Teilen der Welt immer wieder versuchen, illegal nach Deutschland zu kommen. Dafür müssen die Einreisewilligen zum Teil fünfstellige Beträge zahlen. Vor wenigen Monaten hatte es einen Zugriff in Süddeutschland gegeben, bei dem es ebenfalls um geschleuste Afghanen ging. Offenbar ergaben sich daraus jene Ermittlungspunkte, die nun zu der Verhaftung des deutschen Diplomaten geführt haben.