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Die maskierte Heldin von Hongkong

Wenn es Nacht wird in Hongkong, dann schleicht eine mysteriöse Frau durch die Straßen der Großstadt. Übereinstimmenden Berichten zufolge trägt sie Maske, Stiefel und ein Kostüm mit tiefem Ausschnitt.

Doch ihre Motive sind alles andere als düster: In den Armenvierteln verteilt sie Nudeln, Hamburger und Kekse an Bedürftige. Jedem gibt sie außerdem noch umgerechnet zehn bis 20 Euro. Das berichtet zumindest die Zeitung "South China Morning Post".

Um wen es sich handelt, weiß niemand. Angeblich soll die - vielleicht schöne - Unbekannte eine E-Mail an die Zeitung geschrieben haben, in der sie schreibt, sie wolle unerkannt bleiben. Sie sei eine Geschäftsfrau, die "Zehntausende Dollar im Monat" verdiene. "Ich will nur den Armen helfen", so die Frau in dem Schreiben, die sich selbst "Bauhinia-Heldin" nennt - nach den Orchideenbäumen, die überall im tropischen Raum wachsen und deren Blüte in stilisierter Form die Flagge der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong ziert.

Um Anerkennung oder Ruhm geht es ihr demnach nicht: "Ich will nicht, dass die Leute denken, ich täte dies nur, um berühmt zu werden", schreibt sie.

Die Redakteure der "South China Morning Post" erinnert das Kostüm eher an einen hierzulande völlig unbekannten Hongkonger Film aus dem Jahr 1965. In dem kantonesischsprachigen Werk "Hei Mei Gui" ("Die Schwarze Rose") ziehen zwei Schwestern nachts maskiert von ihrer Luxusvilla namens "Rosengarten" aus los, um Reiche zu bestehlen und Arme zu beschenken - ganz wie Robin Hood. Da die beiden Schwestern Zwillinge sind, decken sie sich gegenseitig, sodass die Polizei sie nicht fassen kann. Auf welchem Wege die "Bauhinia-Heldin" wirklich an ihr Geld gekommen ist, weiß jedoch niemand. Berichte über eine größere Zahl an Diebstählen über den Dächern von Hongkong gibt es jedenfalls nicht.