Quadratmeterpreis

Mieten in Berlin steigen deutlich

Die Mieten in der Hauptstadt sind in den vergangenen zwei Jahren kräftig gestiegen. Im Mietspiegel 2011, den Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am kommenden Montag vorstellen wird, ist die durchschnittliche Kaltmiete nach Informationen der Berliner Morgenpost um rund 30 Cent teurer. Sie beläuft sich jetzt auf mehr als 5,10 Euro je Quadratmeter Wohnfläche.

Der neue Mietspiegel, für den das Forschungsinstitut F+B aus Hamburg im Herbst 2010 im Auftrag des Senats 8000 Berliner Mietverträge ausgewertet hat, soll den bislang geltenden Berliner Mietspiegel 2009 ablösen, der auf der Datenbasis des Jahres 2008 erstellt wurde. Dieser hatte als durchschnittlichen Mietpreis noch 4,83 Euro ausgewiesen. Besonders deutlich wird die Dynamik der aktuellen Entwicklung, wenn man auch den Mietspiegel 2007 hinzuzieht: Von 2007 auf 2009 hatte sich die durchschnittliche Miete in Berlin lediglich von 4,75 Euro auf 4,83 Euro je Quadratmeter erhöht. Das entsprach einer Steigerung von 1,7 Prozent. In den vergangenen zwei Jahren haben die Mieten nun jedoch offenbar um fast sechs Prozent zugelegt. Damit hat sich der Anstieg mehr als verdreifacht. Für Immobilienexperten ist diese Entwicklung indes keine Überraschung: Die steigenden Haushaltszahlen und die seit Jahren auf niedrigem Niveau stagnierende Neubauquote in der Stadt hätten mittlerweile zu einer deutlichen Angebotsverknappung geführt.

Der amtliche Berliner Mietspiegel, der in Abstimmung mit den Mieter- und Vermieterverbänden sowie der Senatsverwaltung herausgegeben wird, erfasst nur Mieten, die sich innerhalb der vergangenen vier Jahre verändert haben - sei es durch normale Mieterhöhungen oder den Abschluss eines neuen Mietvertrags. Nach den Worten der Senatorin dient er dazu, den "Mietern und Vermietern eine rechtssichere Auskunft über die Höhe der ortsüblichen Vergleichsmieten in Berlin zu geben".

Junge-Reyers Sprecher Mathias Gille wollte die Zahlen am Freitag nicht bestätigen. Er verwies auf die Pressekonferenz am Montag, bei der die Senatorin auch den Anstieg kommentieren werde. Das Thema Mieten ist im laufenden Wahlkampf politisch höchst brisant. Denn lange Zeit gab es das Problem der steigenden Mieten in Berlin nur in wenigen begehrten Quartieren. Nun versuchen die Parteien gegenzusteuern. Die SPD will mit Neubau und dem Kauf von privaten Wohnungen die Zahl der landeseigenen Wohnungen um 30 000 erhöhen und so den Mietenmarkt entspannen. Zudem sollen die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften günstig Grundstücke des Landes erhalten, um so die Kosten für den Neubau von Wohnungen zu senken und Mieten von unter sieben Euro zu ermöglichen. In der Regel brauchen Privatinvestoren in Berlin eine Kaltmiete von etwa zehn Euro, um ihre Baukosten zu refinanzieren.

Gleichzeitig hat der Senat eine Bundesratsinitiative gestartet, um den Mietanstieg zu dämpfen. So sollen Eigentümern nur noch Anhebungen von 15 Prozent in vier Jahren erlaubt sein. Bisher sind Mietsteigerungen von 20 Prozent in drei Jahren möglich.

Der Wohnungsexperte der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Andreas Otto, warnte vor einem neuen öffentlichen Wohnungsbauprogramm. Er sagte aber auch: "Die neuen Zahlen des Mietspiegels zeigen, wie angespannt der Wohnungsmarkt in Berlin ist." Er verwies auf eine kürzlich veröffentlichte Studie der Investitionsbank Berlin (IBB), nach der der Leerstand in Berlin deutlich geringer ist als angenommen. Denn von den angeblich 100 000 leer stehenden Wohnungen sind demnach nur 50 000 vermietbar.