Gesundheit

EHEC-Keime: Auch Biogemüse betroffen

Bei der Suche nach der Ursache für die zahlreichen Infektionen mit dem gefährlichen Darmerreger EHEC sind die Forscher einen Schritt weitergekommen. Wie das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt am Donnerstag mitteilte, sei das Bakterium auf vier Salatgurken vom Hamburger Großmarkt nachgewiesen worden.

Drei der Gurken stammen aus Spanien, die Herkunft der vierten ist unklar. Außerdem sollen unterschiedlichen Angaben zufolge bis zu drei Gurken aus biologischem Anbau stammen. Erstmals wurden auch in anderen europäischen Ländern EHEC-Verdachtsfälle registriert. In Berlin sind inzwischen neun Menschen erkrankt.

"Die Gurken stammen von der Firma Pepino Bio Frunet mit Sitz in Málaga und von dem Unternehmen Hort o Fruticola mit Sitz in Almería", sagte ein Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Frunet produziert auch Bio-Gemüse. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, drei der Gurken würden aus biologischem Anbau stammen. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sprach dagegen nur von einer Bio-Gurke. Bislang gilt Gülledünger als möglicher Übertragungsweg, er wird vor allem in der biologischen Landwirtschaft benutzt.

Spaniens Behörden reagierten zurückhaltend. Noch sei das Land nicht offiziell informiert worden, sagte der Direktor der staatlichen Agentur für Lebensmittelsicherheit, Roberto Sabrido. Insgesamt importiert Deutschland 38 Prozent aller eingeführten Gurken aus Spanien.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin wollte trotz des Fundes keine Entwarnung geben. Eine Sprecherin sagte, die spanischen Gurken würden nicht alle Fälle erklären. Deshalb bleibt das Institut bei seiner Empfehlung, auf den Verzehr roher Gurken, Tomaten und Blattsalate zu verzichten. Dem schloss sich das Bundesinstitut für Risikobewertung an.

Alle großen Supermärkte, darunter die Konzerne Rewe, Metro und Edeka, nahmen am Donnerstag spanische Gurken bundesweit aus dem Verkauf. Auch in Berlin reagierte die Gesundheitsverwaltung. Sprecherin Regina Kneiding sagte der Berliner Morgenpost, die Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter würden derzeit in Restaurants, Geschäften und Kantinen täglich etwa drei Proben pro Bezirk nehmen. Das Berliner Landeslabor untersuche diese Proben. In etwa drei Tagen könnten erste Ergebnisse vorliegen.

In Berlin sind inzwischen insgesamt neun Menschen an EHEC erkrankt, vier von ihnen weisen die lebensgefährliche Komplikation des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) auf, das zu Nierenversagen führen kann. Drei der HUS-Betroffenen sind Frauen. Kneiding sagte, man vermute, "dass wir in Berlin kein gehäuftes Aufkommen haben". Dass sich die Zahl der Verdachtsfälle nicht signifikant verändert hätte, sei beruhigend.

Forschern gelang auch die Identifizierung des Erregerstamms. Demnach handelt es sich um einen EHEC-Typ, der in Deutschland bislang selten auftrat und gegen viele Medikamente resistent ist. Bundesweit stieg die Zahl der an HUS und blutigem Durchfall erkrankten Menschen nach Angaben des Robert-Koch-Instituts auf über 200.

Auch in Europa breitet sich der Keim aus. Fälle sind aus Großbritannien, den Niederlanden, Schweden und Dänemark bekannt. Die Erkrankten seien jüngst in Deutschland gewesen, sagte der Sprecher von EU-Gesundheitskommissar John Dalli. Schweden riet seinen Bürgern bei Reisen nach Deutschland zur Vorsicht.

Bauernverbände mahnten zu Sachlichkeit. Der Präsident des Deutschen Bauernbundes (DBB), Kurt-Henning Klamoth, sagte, Spekulationen, dass EHEC über organische Düngemittel verbreitet würden, seien völlig unbegründet.